Zu Risiken und Nebenwirkungen von Spaß – fragen Sie ihren Schwellentroll

Nachdem ich im letzten Blogartikel selbst von Stefanie von Zarameh interviewt wurde, habe ich an dieser Form der Kommunikation gefallen gefunden.

Ein Interview, das hört sich irgendwie… hmm, wichtig an!

Also gibt es heute noch eines. Ein ganz besonderes Interview.

Ein Interview mit einem Schwellentroll. Nein, diesmal ist es nicht mein eigener roter Geselle. Die Farbe dieses Schwellentrolls kann ich leider nicht nennen, da mein Interviewpartner aus verständlichen Gründen anonym bleiben möchte.

Dieser Schwellentroll, nennen wir ihn der Einfachheit halber Troll666, war unter streng anonymen Bedingungen dazu bereit, die Überzeugungen seiner Spezies zum Thema Spaß mit uns zu teilen. Ich bitte dich in seinem Namen darum, keine weiteren Nachforschungen zu seiner Herkunft zu betreiben. Der Zeugenschutz für Schwellentrolle steckt leider noch in den Kinderschuhen.Spaß

Warum Menschen kein bisschen Spaß haben sollten

Marie: Troll666, vielen Dank für das Interview. Was genau ist für dich Spaß?

Der Schwellentroll runzelt die Stirn und klappt sein Maul ein paarmal auf und zu.

Troll666: Ääääh, is glaub ich so’n Menschending.

Marie: Heißt das, Schwellentrolle haben keinen Spaß?

Troll666: Doch, schon. Wir tun die Menschen ärgern, damit die keinen Spaß haben. Ist lustig.

Der Schwellentroll lacht abfällig.

Marie: Ihr macht euch also darüber lustig, dass die Menschen leiden. Okay, versuchen wir, nicht moralisch zu werden. Gibt es denn einen bestimmten Grund, weshalb ihr die Menschen, und ganz besonders werdende Künstler, davon abhaltet, Spaß zu haben?

Troll666: Aber na klaaar. Is nich gut für sie. Und nicht gut für die Welt. Und nicht gut für uns.

Marie: Aha, da kommen wir der Sache schon näher. Warum genau ist es nicht gut für die Menschen, Spaß zu haben?

Troll666: Macht nix als Flausen in den Kopf, das Spaß haben. Sieh dich doch mal an! Biste nich reich, biste nich berühmt. Wie willste denn eines Tags glücklich sein, wenn de jetzt nix als Spaß hast? Wirste noch unter der Brücke landen!

Marie: Moment mal, heißt das, ihr betreibt diesen ganzen Aufwand nur, damit wir eines Tages glücklich sind? Wann wird das denn sein?

Troll sieht ehrlich verwirrt aus.

Troll666: Ääääh. Steht nich in der Anleitung.

Die Tricks der Schwellentrolle

Marie: Okay, kommen wir zu einem anderen Punkt: Wie genau hindert ihr die Menschen daran, Spaß zu haben?

Troll grinst

Troll666: Och, das is ganz einfach. Die Menschen helfen uns ja dabei. Wir sagen denen nur so ein paar Sachen und die machen ein Riesending draus. Is echt komisch, weiste? Die machen einfach, was wir wollen.

Marie: Was sagt ihr denn zum Beispiel, um die Menschen davon abzuhalten, Spaß zu haben?

Troll666: Schuldgefühle kommen immer gut. Und dass sie nicht mehr Spaß haben dürfen als andere. Dass sie fehlerhaft sind und dafür büßen müssen. Dass es gegen die Moral ist, Spaß zu haben. Uuunnd der absolute Dauerbrenner: Spaß is nix Sinnvolles. Funktioniert am besten bei diesen ‘Ich-muss-die-Welt-retten-Tussis’.

Marie: Ich werde das Gefühl nicht los, dass ihr Schwellentrolle eine Heidenangst davor habt, eure Menschen könnten den Spaß für sich wiederentdecken. Warum ist das so? Was ist es, dass ihr am Spaß haben so sehr fürchtet?

Troll666: (fast schon traurig) Wer Gutes tun will, den packen wir an seinem Ehrgeiz. Wer der Beste sein will, den vergleichen wir mit anderen. Wer spirituell sein will, dem schicken wir ein paar sehr unspirituelle Probleme.

Aber was machste mit einem, der Spaß hat? Wer Spaß hat hört uns nich mehr. Und die kommen da auf so ganz neue Ideen, Kreativitäts-Dingsda und so. Und bringen dann andere dazu, auch nich mehr auf uns zu hör’n. Ne Schande is das!

Marie: Wenn ich das richtig verstanden habe, ist Spaß haben also die beste Möglichkeit, euch zum Verstummen zu bringen und die eigene Kreativität zu fördern. Was ist die gemeinste Art des Spaßes aus Sicht der Schwellentrolle? Die Art Spaß, die euch am Schnellsten zurückdrängt?

Troll666: Dieser ganze Kinderkram, über den ihr eigentlich seit über zwanzig Jahren hinweg sein solltet. Letztens war ich mit meinem Mensch am Strand. Ich wollte ja, dass er im tiefsten Sand joggen geht. Und was macht er, der Mistkerl? Baut ne Sandburg, sogar mit Muscheln und so kleinen bunten Glassplittern. Und schon bin ich arbeitslos…

Die Lösung

Marie: Lieber Troll666, wir kommen jetzt zu einem kritischen Punkt. Ich weiß, es wird nicht einfach für dich, diese Sachen preiszugeben, aber deswegen sind wir ja schließlich hier.

Sag mir, kann man euch besiegen und wieder Spaß haben?

Troll schluckt. Macht ein Gesicht, als wolle er im Erdboden versinken.

Troll666: (weinerlich) Muss ich?

Marie: (streng) Du hast es versprochen! Wie stehe ich denn vor meinen Bloglesern da, wenn du jetzt nichts sagst?

Troll666: (leise) S’is eigentlich ganz einfach. Du musst nur aufhören, uns zuzuhören und uns zu glauben. Ich mein, wenn da so’n Typ kommt und sagt: ‘Spring von der Brücke’ machst du’s ja auch nicht, oder?

Marie: Für die Menschen ist das nicht so einfach, lieber Schwellentroll. Viele von ihnen wissen, dass ihr da seid, aber sie können einfach nicht aufhören, euch zu glauben. Gib ihnen doch ein paar Tipps, wie es ihnen leichter fällt, euch abzuschütteln.

Troll666: Uuuah, meine Kollegen werden mich steinigen… aber gut. Diese drei Tipps werden deinen Leuten helfen, mehr Spaß und damit mehr Kreativität zu erleben – und mir ist schon ganz schlecht!

Anmerkung: Da der Schwellentroll etwas ausschweifend geantwortet hat, werde ich seine Tipps nun kurz für dich zusammenfassen:

3 Tipps vom Schwellentroll

1) Sorge dafür, dass dein Schwellentroll sich nicht mit anderen seiner Art verbünden kann. Die Wahrheit ist: Wir Schwellentrolle sind nur stark, wenn wir zusammenhalten. Deswegen unterstützen wir uns gegenseitig. Achte also darauf, mit welchen fremden Schwellentrollen dein eigener zusammenarbeitet. Gibt es Menschen in deinem Umfeld, die dir Moralpredigten halten, wenn du einfach nur Spaß haben willst? Welche Texte sucht dein Schwellentroll für dich im Internet heraus. Ist da zufällig ‘Wie ich in drei Wochen einen Bestseller schrieb’ oder ‘Mit harter Arbeit ist alles möglich’ dabei?

Merke hierfür: Du musst nicht jedem Menschen deine Spaß-Aktivitäten unter die Nase binden, vor allem, solange du dir selbst der Sache noch nicht sicher bist. Und: Werde aufmerksam, wenn dein Schwellentroll dich mit anderen vergleicht. Das tut fast immer weh.

2) Suche dir Menschen, die es bereits geschafft haben. Umgib dich mit Spaß-machern, Viel-Lächlern, Kindsköpfen. So wie es deinem Schwellentroll hilft, die Unterstützung eines anderen Schwellentrolls zu haben, so schwächt es ihn, wenn er in einer Sintflut von kreativer Energie und Freude ertrinkt. Lass dich inspirieren. Spaß ist ansteckend!

3) Kämpfe um deinen Spaß! Nein, wir Schwellentrolle lassen nicht einfach so locker. Schließlich ist unsere Existenz bedroht. Du wirst schon ein bisschen kämpfen müssen. Das machst du folgendermaßen: Trickse deinen Schwellentroll aus, indem du deinen Spaß-Termin zu all den ernsthaften Sachen in den Kalender schreibst. Zum eingetragenen Zeitpunkt unternimmst du etwas, was möglichst verrückt, sinnfrei und spaßig ist. Dein Schwellentroll wird dir natürlich sagen, dass du für so etwas keine Zeit hast. Nimm den Termin trotzdem wahr! Verschiebe ihn auch dann nicht, wenn ein riesiger Asteroid auf die Erde zurast oder eine mutierte Riesenkatze dein Auto verspeist. Jetzt kannst du beweisen, wie ernst es dir mit den Leben als Künstler ist!

Natürlich ist Spaß nicht das Einzige, worauf es im Leben ankommt. Wenn du das Gefühl hast, ohnehin genug Spaß im Leben zu haben, ignoriere diese Tipps einfach. Wenn du jedoch wie ich zu den ‘sinnvernarrten Arbeitstieren’ gehörst, könnte dir ein wenig Spaß dabei helfen, deine kreative Energie fließen zu lassen.

Und jetzt du: Wie häufig machst du einen Termin mit dir selbst, um etwas Spaßiges zu machen? Welche Widerstände verspürst du, wenn du einfach nur Spaß hast? Möchtest du die Tipps des Schwellentrolls ergänzen? Ich freue mich auf deinen Kommentar (der Schwellentroll ist sich noch nicht sicher, ob er sich freut…) ;-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie