Writing outside the box – oder warum Gleichförmigkeit deine Kreativität tötet.

Letzte Woche hat mein Schwellentroll anscheinend realisiert, was ich in diesem Blog mache. Jedenfalls wurde er sehr aufmerksam. Ich dagegen war viel zu viel mit mir selbst beschäftigt, um zu bemerken, was er da anstellte.

Und so kam die böse Überraschung, als ich meinen Blogartikel für diese Woche schreiben wollte.

Ich kramte in meinen etwas angetrockneten Gehirnwindungen nach einem Leitgedanken. Doch die Themen waren anscheinend alle in Urlaub gefahren. Zurückgeblieben war nur der Schwellentroll, der sich inmitten meines leeren Gehirns aalte.

Er lächelte nur ein ganz kleines bisschen.

„Jetzt hab ich dich“ sagte er sehr ruhig. „Dir fällt nichts mehr ein. Dies ist das gloriose Ende einer von vorneherein zum Scheitern verurteilten Rebellion gegen mich.“

(Ich fragte mich natürlich sofort, wie lange er wohl gebraucht hatte, um sich diesen Satz auszudenken – seit wann ist mein Schwellentroll kreativer als ich??!…)

Ich muss gestehen, dass mich die nackte Angst packte. War dies das Ende? Konnte ich wirklich nicht mehr schreiben? Und warum so plötzlich?

Aber ich bin eine Kämpferin. Eine ‘Jetzt-erst-recht-Macherin’. Einen von denen, die ihre Nase über den Abgrund halten, nur um herauszufinden, ob ihnen dann immer noch schwindlig ist.

Daher kam eine Kapitulation natürlich nicht infrage.

Stattdessen habe ich eine neue Generation von Schwellentroll-Waffen entwickelt. Am Anfang stand eine eiskalte Analyse der Taktik, mit der der Schwellentroll mich dieses Mal in die Enge getrieben hat und jetzt bin ich hier, um dir dieses Wissen weiterzugeben – damit dein Schwellentroll erst gar nicht auf die Idee kommt, das auch auszuprobieren.Gleichförmigkeit

Die Gleichförmigkeits-Falle

Unsere Welt tendiert dazu, uns in gewisse Rollen zu drängen. Du hast ein gutes Blumenbild gemalt? Na dann male verdammt nochmal Blumenbilder! Sei ein Blumenmaler und nichts sonst!

Und es ist ja auch sehr verlockend, da die Blumenbilder gut ankommen. Vielleicht könntest du sogar deinen Lebensunterhalt damit bestreiten?

Eigentlich wunderbar.

Aber da gibt es noch dieses Künstlerkind in deinem Inneren. Und das hat leider seinen eigenen Kopf. Gleichförmigkeit mag es nicht. Nach dem fünften Blumenbild runzelt es ärgerlich die Stirn. Nach dem zehnten schreit es laut: LAAAAANGWEILIG. Und wenn du dann versuchst, noch so ein Bild zu malen, werden aus den Blumen fade Farbkleckse ohne jeden Pfiff. Denn dein kleiner Künstler hält sich Augen und Ohren zu und pfeift laut ein Lied.

Dieser kleine eigensinnige Kerl… blöd nur, dass du ohne ihn einfach nicht kannst.

Kunst 9-to-5

Tja, ob du es glaubst oder nicht: Genau in diese Falle der Gleichförmigkeit bin ich selbst getappt. Eine Weile habe ich mich darauf konzentriert, möglichst viele neue Schwellentroll-Artikel ‘rauszuhauen’. Mein sehr begrenzter Zeitrahmen ließ keine Luft für andere kreative Tätigkeiten. Mein Künstlerkind murrte, ich sagte ihm, es solle gefälligst die Zähne zusammenbeißen.

Eine Woche später hatte ich seine Kündigung auf dem Tisch. Mit der krakeligen Anmerkung: ‘Sag Bescheid, wenn wir wieder zusammen Spaß haben dürfen. Dann komm ich wieder.’

Mein Künstler wollte keinen festen Job als Schwellentroll-Blogger. Er wollte spielen. Neues ausprobieren, altes wieder hervorkramen. Nur eines wollte er nicht: Gleichförmigkeit.

Kreativität ist vielfältig. Sie braucht Raum, um sich zu entfalten. Sie möchte atmen und tanzen. Und zwar nach IHREM Lieblingslied und nicht unbedingt nach deinem.

Spielplatz statt Stechuhr

Ja, Kunst kann ein Beruf sein. Ja, es ist möglich, kreative Phasen bewusst einzuplanen. Aber: Kreativität braucht auch die Freiheit, sich zu entwickeln. Wenn du mit der Verbissenheit, mit der du eine Steuererklärung ausfüllst, an deinen Ideen arbeitest, wirst du bestenfalls deine Nerven ruinieren.

Halte ab und zu inne und frage dich, mit welcher Einstellung du gerade versuchst kreativ zu sein. Sei ehrlich: Wann kommt Druck ins Spiel? Wann hast du dein Herz verschlossen und innerlich gekündigt? Angefangen, ein bestimmtes Projekt stur durchzuziehen ‘weil man das halt so macht’?

Schenke dir ein nachsichtiges Lächeln und überlege, was du dagegen tun kannst. Auf gar keinen Fall solltest du deinen Unmut einfach herunterschlucken und weitermachen wie bisher. Es ist einfacher, den kleinen Künstler abzufangen, BEVOR er gekündigt hat.

Dies ist dein Training in Konfliktmanagement: Frage deinen Künstlerkumpan, was ihm nicht passt. Frage ihn, was er gerne stattdessen tun würde. Vielleicht bist du ihm einfach zu vernünftig. Hör ihm zu und dann lass ihn spielen.

Und jetzt?

Jetzt fragst du dich sicherlich: Wie in aller Welt soll ich unter diesen Bedingungen mit EINEM Projekt fertig werden? Wie kann ich meinen inneren Künstler so lange bei Laune halten, bis ich wenigstens irgendeinen Erfolg vorweisen kann? Denn im Gegensatz zu unserem Künstlerkind wollen wir ja nicht NUR spielen. Wir wollen ein Buch fertig schreiben (statt fünf verschiedene anzufangen), wir wollen richtig Gitarre spielen lernen und nicht gleich bei der ersten Schwierigkeit aufgeben. Was also tun?

Writing outside the box (was natürlich nicht nur für ‘writing’ gilt…)

Das Problem ist nicht, dass du ein Projekt fertig machen möchtest. Das wirkliche Problem besteht darin, dass du nichts anderes mehr tust. Gleichförmigkeit ist das Problem.

Wie du siehst, war mein kleiner Künstler durchaus bereit, an diesem Blogbeitrag mitzuwirken – allerdings erst, nachdem ich meine Verbissenheit aufgegeben hatte und ihm erlaubte, eine lustige Kurzgeschichte zu schreiben und ein paar Katzenvideos anzuschauen… Außerdem habe ich ihm pro Woche ein paar Stunden zum Träumen und freien Assoziieren, sowie einen schönen Urlaub versprochen.

Der Effekt ist irre: Seit ich aufgehört habe, mit solcher Verbissenheit an meinem Blog zu arbeiten, fallen mir haufenweise Beiträge ein. Und zusätzlich dazu Kurzgeschichten, Gedichte, Bildideen, Romane…

Was DIR genau hilft, wenn du dich in ein Projekt verrannt hast, kannst nur du selbst herausfinden. Ein guter Anfang ist es, das Gegenteil von dem zu tun, was dein innerer Künstler gerade hasst.

Falls du nicht weißt, wo du nach einer Lösung suchen sollst, hier ein paar Anregungen:

  • falls du mehrere Projekte hast, wechsle zwischen ihnen

  • mache ab und zu etwas Kreatives, ohne die Absicht, es verkaufen zu wollen.

  • Geh über deine Grenzen. Probiere Dinge aus, von denen du eigentlich denkst, dass du sie nicht kannst.

  • Schreibe, male, singe mal über etwas vollkommen Absurdes: Zum Beispiel: ‘Wie die Nachbarskatze letzte Nacht mein Auto gefressen hat und was danach passierte.’ Nimm ein Bad in der Absurdität der menschlichen Existenz, lass dich treiben und genieße. Versuche bloß nicht, etwas Sinnvolles zu schaffen.

  • Mach mal Pause und kauf deinem inneren Kind ein Eis :-)

Welche Ideen hast du um aus diesem Teufelskreis der Gleichförmigkeit auszubrechen? Was tust du, wenn dein innerer Künstler gerade keine Lust auf dein Projekt hat? Teile es doch mit uns in den Kommentaren!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie