Wie du deinen Menschen davon abhältst, im Urlaub Kunst zu machen – ein Erste-Hilfe-Kurs für Schwellentrolle

Teil 1: Wenn der Mensch sich Urlaub genommen hat und nicht nach Malle will.

Liebe Schwellentrolle aller Länder,

willkommen zur Serie der ausgleichenden Gerechtigkeit! Heute geht es mal ganz und gar nicht darum, den Menschen zu helfen. Wie mich einer eurer Kollegen aufgeklärt hat, ist es wahrlich ungerecht! Da wird hier Stimmung gegen eure Gattung gemacht, ohne sich eure Meinung auch nur anzuhören.

Nicht nett.

Das wollte ich eigentlich auch nie sein, aber ich habe mich dennoch entschlossen, euch einen Schritt entgegenzukommen.

Heute geht es zur Schwellentroll-Sache!

Nachdem ich euch Schwellentrollen in den letzten Monaten viel Kummer mit euren Untergebenen bereitet habe, werde ich nun versuchen, den Schaden wieder gutzumachen.

In diesem erste-Hilfe-Kurs zeige ich euch, wie ihr eure Menschen wieder in den Griff bekommt.

Ganz wichtig: Dieser Artikel ist nicht für Menschenaugen bestimmt. Die könnten das nämlich falsch verstehen und die Informationen gegen euch verwenden. Also ändert das Passwort des Computers, bevor ihr geht. ;-)Urlaub

Ist das Urlaub oder kann das weg?

Es ist eine Schande, wie hartnäckig diese Menschen sind. Vor allem dieser jährlich Versuche, euren Klauen zu entkommen. Als hätten sie nicht schon beim ersten Mal bemerkt, dass sie euch auch im Urlaub nicht loswerden…

Wie man auch im Urlaub bei seinem Menschen bleibt? Ich schätze mal, dafür brauchst du, lieber Schwellentroll, keine grundsätzliche Anleitung. Es gibt so viele Möglichkeiten, Touristen zu ärgern, dass ich es manchmal schon bereut habe, kein Schwellentroll zu sein. ;-)

Für alle Schwellentroll-Kinder gibt’s hier eine Anleitung in aller Kürze:

  • mache deinem Menschen im Vorfeld einer Reise richtig viel Planungsstress

  • sorge dafür, dass er einen Job ausübt, in dem er möglichst wenig Urlaub bekommt.

  • Finde für ihn ein möglichst unpassendes Hotel

  • beauftrage den Nachbarn, mindestens dreimal während der Urlaubszeit anzurufen und zu berichten, dass das Gewächshaus weggeflogen, das Haus abgebrannt ist und möglicherweise auch noch eingebrochen wurde.

Soweit so gut. Alteingesessene Schwellentrolle dürften mit diesen Tricks vertraut sein. Doch vielleicht leidest du ja unter einem dieser unsäglichen ‘ich gehe so lange mit dem Kopf durch die Wand, bis alles gut wird’-Menschen? Du weißt schon, diese Typen, die einfach nicht einsehen wollen, dass der Urlaub die beste Zeit ist, um sich Sorgen zu machen oder etwas Sinnvolles zu tun.

Und dann gibt es da noch die ganz Schwierigen. Fass du dir einen solchen Menschen angelacht hast, bist du wirklich zu bedauern. Um diese Härtefälle soll es heute gehen:

Unter den ‘alles-wird-gut’-Abnormalitäten der menschlichen Gattung gibt es nämlich einige Spezialisten, die aufgrund ihrer deformierten Gehirnstrukturen auf den Gedanken kommen, kreativ sein zu wollen.

Und als wäre das nicht schon genug, sie wollen auch noch Spaß dabei haben.

Was tun, wenn dein Mensch sich Urlaub nimmt, um kreativ zu sein?

Falls du es im Vorfeld nicht geschafft hast, deinen Menschen dazu anzuhalten, seinen Urlaub mit dem Umzug einer Bekannten oder einem Sauftripp zu verplanen und leider auch nicht genug Arbeit liegengeblieben ist, damit er mindestens eine Woche lang beschäftigt bleibt, solltest du jetzt unbedingt weiterlesen.

Ja, du sitzt in der Patsche.

Und ja, deine Schwellentroll-Kompetenzen sind noch nicht ganz ausgereift.

Aber: Du bist nicht verloren. Ich zeige dir jetzt 10 Tricks, wie du deinen Menschen wieder in den sicheren Hafen deiner Negativität lockst.

1) Lasse deinen Menschen einen wirklich destruktiven Bekannten anrufen.

Was dein Mensch jetzt in diesem missgeleiteten Stadium des Enthusiasmus dringend braucht, ist Entmutigung. Finde heraus welcher andere Mensch das besonders gut leisten kann und stelle einen Kontakt her. Besonders empfehlenswert sind: „Wie willst du das denn alles schaffen“-Sager, „Ich weiß nicht, ob das das Richtige für dich ist“-Munkler, „Ich mache mir Sorgen“-Jammerer, besserverdienende Klugscheißer, extrem verwöhnte Muttersöhnchen und… ach was, du weißt schon, wen ich meine. Dir wird etwas einfallen. :-)

2) Sorge dafür, dass er ständig unterbrochen wird.

Am besten natürlich von den Menschen, die in Punkt eins besprochen wurden…

3) Sieh zu, dass es ihm schlecht geht

Wenn die Grippeviren schon aus sind, genügen auch Schlafstörungen, Kopfschmerzen und eine gewisse gefühlsmäßige Unausgeglichenheit. Wichtig ist dabei, dass du deinen Menschen immer wieder davon überzeugst, dass er in diesem Zustand sowieso nicht kreativ sein kann.

4) Rede ihm ein Großprojekt ein.

Sorge dafür, dass es ihm nicht genügt, einfach kreativ zu spielen. Er muss sich schon etwas ganz Großes vornehmen. Etwas, dass er in seiner Urlaubszeit auf gar keinen Fall schafft. Keine Angst, es ist normalerweise nicht sonderlich schwer, einen Menschen dazu zu überreden. Und wenn er beschlossen hat, einen 1000-seitigen Roman in einer Woche zu schreiben, musst du seiner realistischen Einschätzung nur noch den Spiegel vorhalten. Er wird gar nicht erst anfangen, versprochen.

5) Schicke ihm ein paar Sehnsuchts-Postkarten von Orten, an die er schon immer gerne gereist wäre.

Optimal ist es, wenn die Postkarte von einem Miesmacher geschrieben wird, der zugleich erwähnt, dass sich ein Künstler ein so exquisites Reiseziel sicherlich nie leisten kann. Dieser Tipp ist wirklich super, er erzeugt eine Langzeitwirkung weit über die Urlaubszeit hinaus. Vielleicht kannst du deinen Menschen damit sogar in einen stressigeren Job drängen, damit er endlich das Geld für die Reise zusammenbekommt.

6) Lass einen „Du musst dich jetzt endlich mal ins Zeug legen“-Menschen vorbeischauen.

Ambitionen eines Künstlers bekämpfst du am besten damit, dass du ihm noch mehr Stress machst. Er hat angefangen zu malen? Ach was, das ist gar nichts wert. Warum hat er noch kein Bild für 1 Mio Euro verkauft? Sicherlich strengt er sich nicht genug an.

7) Halse ihm noch ein paar Verpflichtungen auf

Gibt es da nicht ein paar Freunde, denen zu erzählen könntest, dass er Urlaub hat? Und die doch so gerne mal wieder auf eine Überraschungsparty vorbeikommen würden?

8) Lass den Zerstörer raus

Okay, dieser Tipp ist wirklich nur etwas für die ganz Abgebrühten (oder Verzweifelten). Wenn dein Mensch ein Blogger ist, vernichte das Internet. Wenn du einen Maler an der Backe hast, bietet es sich an, Farbpaletten und Wassergläser so anzuordnen, dass er darüber stolpert und sein fast fertiges Meisterwerk zerstört. Fotografen freuen sich ganz besonders über eine Handvoll Sand auf dem Sensor. Bei Schriftstellern ist es schon etwas schwieriger. Mein Tipp: Besorge dir einen schönen Computervirus und lasse alle Stifte im Haus verschwinden (dies ist ein ganz persönlicher Tipp von MEINEM Schwellentroll…).

9) Kauf deinem Menschen diese spannende Buch- oder Filmserie, die er schon immer mal haben wollte.

Wenn er entweder kreativ sein könnte oder Harry Potter Teil 724 lesen könnte, wer wird da schon zögern?

10) Sorge für absolut perfektes Wetter

Dieser Tipp ist nur etwas für Schwellentrolle mit Indoor-Künstlern und einer besonderen Beziehung zum Wettergott. Aber er lohnt sich. Denn wieso sollte man Klavier über, wenn man so schön mit Freunden grillen könnte?

Lieber Schwellentroll, dieser Urlaub wird wirklich kein Zuckerschlecken für dich. Aber ich versichere dir, führe diese zehn Tipps gewissenhaft aus und du wirst danach wieder deine Ruhe haben.

Ich hoffe ich konnte mit diesem Artikel für ausgleichende Gerechtigkeit sorgen und werde die Schwellentroll-Erste-Hilfe bei Gelegenheit weiterführen.

Ah ja, ein Tipp noch am Rande. Es gibt da eine Seite, von der du deinen Menschen auf jeden Fall fernhalten solltest. Dort kann er sich nämlich zu einer 21-Tage-Challenge ‘Befreie deine kreative Energie’ anmelden, die all deine Bemühungen unschädlich machen könnte. Diesen Link muss du sperren, damit er sich nicht anmelden kann.

Lieber Schwellentroll, hat dir meine erste Hilfe weitergeholfen? Welche Tipps brauchst du noch, um deinen Menschen in Schach zu halten? Schreib mir doch!

Lass uns heute mal keine Schwellentrolle jagen

(denn sonst wirkt dieser Artikel unglaubwürdig)

Liebe Grüße,

Marie