Warum du Urlaub von deinen Leidenschaften machen solltest

Als ich vor etwa einem Jahr damit begann, mich mit meinen Leidenschaften selbstständig zu machen, ja DAMALS hatte ich noch Illusionen…

Eine davon lautete: Wenn du beruflich tust, was du liebst, musst du nie wieder Urlaub machen. Und Freizeit brauchst du auch nicht.

Ich schätze, das stammte aus irgendeinem dieser Lifestyle-Business-Blogs, die gerade wuchern wie die Brennnesseln (nicht falsch verstehen, ich liiebe Brennnesseln, ich trinke sogar gerade einen Brennnessel-Smoothie).

Nie wieder Urlaub machen (müssen), ist das nicht toll?

Was du da an Zeit und Geld sparen kannst!

Nie wieder in wochenlang in einem Land herumhängen, in dem du Sprache nicht verstehst!

Nie wieder vom üppigen Urlaubsessen dick werden!

Das waren wirklich glorreiche Aussichten.

Im Ernst, wer will schon im Schweiße seines Angesichts (und auch anderer Körperteile) einen Berg besteigen, nur um eine Stunde später wieder herunterzuklettern! Wo bleibt denn da die Effizienz!?Urlaub

Froh, diesen ganzen Freizeit-Irrsinn hinter mir zu haben, machte ich mich ans Werk. Ich schrieb, fotografierte, bastelte mich durchs Leben, der Spaß saß neben mir in seinem Lieblingssessel und lächelte mir zu.

Ich arbeitete

Und machte

Bewegte Zeit, Geld und Energie in Richtung meines großen Ziels.

Ich brauchte ja jetzt keine Pausen mehr.

Puuh, irgendwann wurde es ganz schön schwer, Spaß haben.

Die Freizeit-Lüge und der Schwellentroll

Vorneweg:

Es ist natürlich möglich, dass ich – ohne es zu wissen – von einer uralten, menschenähnlichen Spezies abstamme, die einfach mehr Ruhe braucht als Mister Ottonormalverbraucher. Vielleicht geht es dir ganz anders und du kannst wirklich 365 Tage im Jahr an deinen Projekten arbeiten, ohne je müde zu werden oder etwas zwischendurch essen zu müssen.

Für mich jedenfalls ging die Rechnung nicht auf. Es wurde schwerer, kreativ zu sein. Ich begann mich anzustrengen, war mit meinen Ergebnissen nicht mehr zufrieden.

Ich wusste es, bevor ich ihn sah: Es roch nach Schwellentroll.

Da hatte sich mein roter Meister des Chaos ja was Nettes ausgedacht. Er benutzte meinen Drang zum Schaffen dazu, dafür zu sorgen, dass ich die Lust am kreativen Prozess verlor.

Ich fühlte mich schlapp und verkrampft.

Als der Tag kam, an dem ich mich nicht mehr kreativ genug fühlte, um eine Einkaufsliste zu schreiben, wusste ich es wird Zeit.

Zeit für meine Auszeit. Obwohl und gerade, weil so viel anstand.

Meinem Schwellentroll gefiel das natürlich gar nicht. Er versuchte mich mit allen Tricks von meinem Urlaub abzuhalten. Ich hätte nicht genug Geld, sagte er. Und Zeit schon mal gar nicht. Und zehn Tage lang kein Internet!!! Ich würde schon sehen, was ich davon hätte!

Im Nachhinein bin ich so glücklich, dass er mich nicht abhalten konnte.

Denn plötzlich, als ich auf 2000 Metern ganz entspannt durch den Allgäuer Platzregen schlappte, ging es los. Die Inspiration fiel über mich her, dass ich es mit der Angst zu tun bekam. Da meldeten sich Blogartikel, die auf der Stelle geschrieben werden wollten und ganze Ebooks. All die Ideen, die in der Hitze in den letzten Wochen eingetrocknet waren, begannen nun zu fließen und es lag sicherlich nicht nur am Wetter.

Warum du gerade als kreativer Mensch Urlaub brauchst

Schlechte Nachrichten also für alle Workaholics: Du wirst nicht kreativer, wenn du mehr arbeitest. Und: Kreativität ist nicht unerschöpflich.

Julia Cameron hat dazu einen anschaulichen Vergleich geliefert: Deine Kreativität ist wie ein kleiner See in deinem Inneren. Um im Gleichgewicht zu bleiben, braucht er einen Zufluss und einen Abfluss. Wenn dein See keinen Abfluss hat, du also deine Kreativität nicht ausdrücken kannst, staut sich alles in deinem Inneren auf. Diese Art von Ungleichgewicht macht sich wahrscheinlich als Unzufriedenheit und Gereiztheit in deinem Leben bemerkbar. Dies ist relativ leicht zu beheben, indem du dir Zeit nimmst, kreativ zu sein.

Sehr schnell vergessen wir aber, dass unser See auch einen Zufluss braucht, wenn er nicht austrocknen soll. Dieser Zufluss besteht aus neuen Erfahrungen, interessanten Begegnungen und vor allem viel Zeit zum Träumen. Also aus Dingen, die man normalerweise im Urlaub macht.

Natürlich musst du deinen See nicht zwangsläufig mit einem teuren 3-Wochen-Übersee-Urlaub füttern. Wichtig ist, dass du die Möglichkeit findest, abzuschalten und mal was ganz anderes zu tun. Das Wo und Wie ist nebensächlich.

Bitte schon vor dem Verdursten trinken!

‘Ich bin gerade so drin, aber nächste Woche, da nehme ich mir Zeit für mich selbst.’

‘Ich muss jetzt einfach dranbleiben, sonst wird das nix.’

Kommen dir diese Sprüche bekannt vor?

Wenn du wirklich begeistert bei der Sache bist, ist es gar nicht so einfach, rechtzeitig Stopp zu sagen. Noch schwieriger wird es, wenn dir deine finanzielle Situation, deine Schwiegermutter oder dein Perfektionismus-Troll im Genick sitzt.

Ich gehöre auch zu den Menschen, denen es leicht fällt, loszurennen, aber extrem schwer, mal stehenzubleiben, um einfach nur durchzuschnaufen. Ich weiß, wie das ist, wenn 20 Projekte auf dich warten und du parallel noch irgendwie Geld verdienen musst.

Und deswegen kann ich dir sagen: Die Idee, einfach durchzurauschen und die Pausen auf später zu verschieben, ist verführerisch. Und sie bringt dir rein gar nichts. Die Zeit nämlich, die du scheinbar einsparst, indem du weiterpowerst, verlierst du dennoch: Du wirst langsamer, deine Ideen fließen immer zäher und irgendwann verbringst du 80% deiner Zeit damit, dich zu ärgern, dass es gerade nicht so läuft.

In dieser Zeit könntest du definitiv viel coolere Sachen machen, oder? ;-)

Also: Plane kleinere und größere Auszeiten gleich mit ein. Sieh sie einfach als Arbeitszeit für dein Unterbewusstes. Es muss schließlich irgendwann mal die Gelegenheit bekommen, neue Ideen auszubrüten.

Sag deinem Schwellentroll doch einfach, dass du ganz intensiv an deinem Nichtstun arbeitest, vielleicht lässt er dich dann in Ruhe…

Welches Verhältnis hast du zu regelmäßigen Inspirationspausen? Planst du sie fest ein oder fällt es dir schwer, loszulassen? Brauchst du auch räumlichen Abstand, um zu entspannen? Lass mir doch deine Meinung als Kommentar da!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie