Warum du nicht versuchen solltest, wie deine Vorbilder zu sein

Vorbilder sind was Wunderbares. Sie geben dir eine Richtung im Leben. Sie sagen dir, ob du vegan leben sollst, oder als Fleischesser. Sie helfen dir bei der Entscheidung, welchen Job du ausübst, wo du wohnst und ob es innerhalb deiner Lebensplanung Platz für eine Familie gibt.

Und dir als kreativem Menschen sagen sie, was in deinem Buch drinstehen sollte und was lieber nicht. Sie erklären dir, womit du ganz leicht Geld verdienen kannst, ob und wie du deine Bilder verkaufst und was überhaupt ein Künstler ist.

Und das Beste daran: Du kannst einfach nachmachen. Ohne nervenaufreibendes Gehirnjogging oder gar die unangenehme Frage, was DU eigentlich willst.

Ich habe Vorbilder immer geliebt. Tue ich übrigens immer noch. Und auch wenn sich dieser Artikel vielleicht so anhört, als würde ich Vorbilder ablehnen, ist das nicht ganz die Wahrheit. In diesem Artikel erfährst du, was Vorbilder für mich sind – und was nicht.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade „Vorbilder — Was wir von anderen lernen können” von lebensdurstig und mach ich morgen.

Vorbilder

Warum der Schwellentroll Vorbilder liebt

Ehrlich gesagt dachte ich früher immer, ein ordentliches Vorbild sei so eine Art Schutzschild gegen den Schwellentroll. Sozusagen ein Riese mit einer Keule, der dafür sorgt, dass der Troll sich – nun ja, eben trollt.

Und so hatte ich einen Haufen Vorbilder. Bloß kein Einziges hatte eine brauchbare Keule, um sie gegen den Schwellentroll zu schwingen. Im Gegenteil, dieser freute sich jedes Mal, wenn ich ein neues Vorbild mit nach Hause brachte, sodass ich immer wieder das Gefühl hatte, ihm ein leckeres Eis und kein keulenschwindendes Vorbild mitgebracht zu haben.

Ich habe eine Weile gebraucht, um herauszufinden, warum mein Schwellentroll so in Begeisterung schwelgte.

Grund 1) Vorbilder verführen zum Vergleichen

Vorbilder sind in unseren Augen meistens ziemlich perfekt. Die wenigsten Menschen stehen auf Vorbilder, die todunglücklich sind und sowieso alles falsch machen. Und dein Schwellentroll? Er wittert seine Chance. Denn so ein Vorbild ist natürlich eine hervorragende Projektionsfläche für dich. Denn du möchtest ja genauso sein. Bist du aber vermutlich noch nicht. Deswegen stehen die Chancen gut, dass dein Schwellentroll dir regelmäßig vor Augen führt, wie perfekt und toll und überhaupt XY ist und dass du sowieso nie so werden kannst.

Wenn du das unter Spaß verstehst – meinetwegen. Ich jedenfalls habe beschlossen, mich lieber auf das zu konzentrieren, was ich kann, als auf das, worin andere besser sind. :-)

Grund 2) Vorbilder sind nicht DU

Ein Beispiel: Ich habe Anfang dieses Jahres mit dem Gedanken gespielt, meine Kunst sozusagen ‘live’ auf Märkten und in der Fußgängerzone zu verkaufen. Ich hatte dabei so einige Vorbilder vor Augen. Diese Künstler schienen wirklich glücklich mit ihrer Verkaufsstrategie und verdienten zumindest genug, um zu überleben.

Warum also sollte ich das nicht auch tun?

Der Haken war ganz einfach:

Ich war anders gestrickt als meine Vorbilder. Ich, als hochsensible Perfektionistin stundenlang in der lärmenden Fußgängerzone, in die ich sonst niemals freiwillig meinen Fuß setze? Ich mit meinen hochpreisigen Produkten in ständigem Kampf mit einer Kundschaft, die auf jeden Cent schaut?

Das konnte nichts werden.

Du könntest jetzt natürlich argumentieren, dass ich einfach nur das falsche Vorbild hatte. Das mag sein. Da aber kein anderer Mensch zu hundert Prozent mit dir identisch ist, wird dir das an irgendeinem Punkt mit jedem Vorbild so gehen.

Wozu Vorbilder gut sind – und wozu nicht

Wenn wir am Anfang unseres persönlichen Weges stehen, wissen wir meist selbst noch nicht so genau, wo es hingehen soll. Wir haben so eine vage Vorstellung, mehr aber nicht.

In diesem Fall können Vorbilder sehr nützlich sein. Sie geben uns für eine Weile Halt und Inspiration. Indem wir unserem Vorbild nacheifern, finden wir heraus, was zu uns passt und was nicht. Wir lassen uns mittragen von dem, was andere bereits vor uns herausgefunden haben und das ist völlig okay.

Bis zu einem gewissen Punkt jedenfalls.

Der Knackpunkt

Vorbilder zeigen dir immer nur einen ganz bestimmten Abschnitt deines Weges oder spiegeln einen Aspekt deiner Persönlichkeit wider – einen, nicht mehr.

Solange du eins zu eins einem Vorbild hinterherläufst, ist es absolut unmöglich, dass du deinen eigenen Weg findest. Denn an irgendeinem Punkt wird er sich vom Weg deines Vorbildes unterscheiden und dann ist es nötig, dass du den Absprung schaffst.

Deswegen mein persönlicher Rat: Schau nicht nur nach außen, darauf, was die anderen machen oder gut finden. Deine persönliche Wahrheit liegt in dir

Können wir jetzt von anderen lernen oder nicht?

Der Titel der Blogparade lautete ja: „Vorbilder — Was wir von anderen lernen können”. Dies ist meine persönliche Antwort:

Ja, wir können von anderen lernen. Gerade von denen, die uns ein Stück des Weges voraus sind und die wir so gerne als Vorbilder bezeichnen.

Aber wir sollten Vorbilder nicht dazu missbrauchen, uns nicht nach unserem eigenen Weg umschauen zu müssen. Vorbilder können unterstützen – unser Leben leben können sie nicht.Vorbilder

Hast du Vorbilder? Wie stark beeinflussen sie dich in dem, was du tust? Glaubst du, dass Vorbilder nützlich sind oder uns eher blockieren? Schreib mir doch einen Kommentar. Ich freu mich drauf :-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie