Warum du als Autor ein Held bist

Warum du als Autor ein Held bistAls ich heute morgen aufstand, war Mister Schwellentroll schon wach. Im Gegensatz zu mir tut ihm der ständige Wetterwechsel richtig gut, wie es scheint. Jedenfalls saß er bereits griesgrämig in der Küche, als ich hereinkam.

Ich wünschte, er hätte mir wenigstens einen Kaffee gekocht – aber Schwellentrolle tendieren nun mal nicht dazu, nützlich zu sein.

Dafür redete er wie ein Wasserfall, während ich mühsam genug Gehirnzellen beisammen suchte, um Frühstück machen zu können. Ich sei ja viel zu schwach und zu müde zum Schreiben. Meine Texte würden ohnehin nichts taugen. Und überhaupt, was hätte ich Normalo der Welt schon mitzuteilen? Ich sei ja schließlich nichts Besonderes, kein Auserwählter oder so.

Während mein Schwellentroll so vor sich hin plapperte, schrumpfte mein Selbstwertgefühl kurzzeitig auf die Größe der Kaffeetasse. Das Schlimme an Schwellentrollen ist, dass ihre Worte immer scheinbar einen Funken Wahrheit enthalten. Ja, ich war tatsächlich müde. Ich besitze keine Muskelberge und bislang bin ich noch auf keine Prophezeihung gestoßen, die davon ausgeht, dass ausgerechnet ich die Welt rette. Es kommt sogar vor, dass ich ein kleines bisschen neidisch auf die Helden meiner Geschichten bin. Für sie ist alles ganz einfach – schließlich sind sie ja Helden oder?

Doch halt! Jetzt bin ich doch tatsächlich auf die Masche meines Schwellentrolls hereingefallen. Kann es überhaupt sein, dass mein Leben weniger spannend und bedeutungsvoll ist, als das meiner Helden? Immerhin habe ich sie erschaffen. Und wie sollte ich mir etwas ausdenken können, was überhaupt nichts mit mir zu tun hat?

Und so beschloss ich, die Ausführungen meines Schwellentrolls zu widerlegen. Was wäre, wenn in jedem Autor auch ein Held steckt? Und wenn die Qualität unserer Bücher davon abhängen würde, wie mutig wir unser eigenes Leben leben?

Was ist eigentlich ein Held?

Zunächst einmal habe ich mir die Frage gestellt, was für mich einen Helden ausmacht, über den ich gerne schreiben würde. Du musst natürlich keinesfalls meiner Meinung sein. Vielleicht sieht deine eigene Vorstellung vom Heldentum ganz anders aus.

Für mich ist ein Held jemand, der:

  • eine bestimmte Vision und starke Werte hat und der bereit ist, dafür einzustehen

  • bereit ist, seine Ängste und Zweifel zu überwinden, um sein ureigenes Ziel zu erreichen

  • auf seinem Weg auf zahlreiche innere und äußere Widerstände stößt, aber nie aufgibt

  • sich beständig weiterentwickelt, da er sich den Herausforderungen des Lebens stellt

Puh, das hört sich ganz schön groß an. Autoren = Helden? Keine Chance… ODER??

3 Gründe, warum Autoren doch ihren Helden gleichen

Du glaubst an dein Buch

Warum in aller Welt machst du dir wohl die Arbeit, Seite um Seite zu Papier zu bringen, obwohl es doch schon so viele Bücher gibt? Du könntest dich doch auch aufs Sofa legen und Bücher von fremden Autoren lesen.

Aber du weißt, dass du das Schreiben nicht lassen kannst. Etwas in dir verlangt danach und wird sehr ungehalten, wenn es sich nicht austoben darf. Die Geschichten in deinem Inneren drängen danach, aufgeschrieben zu werden.

Du schreibst, weil du an das Schreiben glaubst, an deine Geschichte und irgendwie damit auch an dich.

Ist dir schon einmal aufgefallen, dass du, indem du schreibst, an dich selbst und deine ideen glaubst?

Du gibst nie auf

Wenn du mit Leib und Seele Schreiberling bist, hast du bestimmt schon eine Menge auf dich genommen, damit deine Geschichten das Licht der Welt erblicken. Immer wieder hast du deinen eigenen Schwellentroll überwunden, gegen äußere Widerestände gekämpft und eine Menge unqualifizierter Kommentare an dir abperlen lassen. Du hast dir die Geschichte ausgedacht, sie ein ums andere Mal umgearbeitet und warst bereit, selbst nach einer Niederlage an den Schreibtisch zurückzukehren. Du hast mit deinen Helden gelacht und geweint, Ängste durchgestanden, bist mit ihnen verzweifelt – und du hast nie aufgegeben.

Die Fähigkeit, nie aufzugeben und an dich und dein Werk zu glauben, ist eine echte Gabe! Feiere dich ruhig mal dafür. :-)

Du entwickelst dich ständig weiter

Wenn du regelmäßig schreibst, kennst du sicherlich dieses Phänomen: Durch Zufall nimmst du einen Text zur Hand, den du vor zwei Jahren geschrieben hast – und kippst fast aus den Latschen vor Scham. In diesem Stil hast du geschrieben? Dabei warst du damals richtig stolz auf den Text und konntest dir gar nicht vorstellen, es besser zu machen.

Deine Texte zeigen dir übrigens nicht nur deine schriftstellerische, sondern auch deine persönliche Entwicklung an. Es kann gut sein, dass dir die vor zwei Jahren entworfenen Charaktere plötzlich wie Hampelmänner vorkommen oder dass du dich fragst, wie dich dieses Thema überhaupt interessieren konnte.

Auch in diesem Aspekt gleichst du dem Held einer Geschichte. Genau wie er wächst du an deinen Aufgaben und entwickelst Fähigkeiten, die du dir zuvor nie zugetraut hättest. Eigentlich verdammt toll, oder?

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Was soll das Ganze überhaupt?

Gut, vielleicht magst du ja gar kein Held sein, weil du befürchtest, eines Tages als schwerterschwingernder Muskelprotz zu enden. Das ist okay. Dann finde einfach einen passenderen Begriff, der für dich Mut und persönliche Weiterentwicklung symbolisiert. ;-)

Vielleicht hältst du mich aber auch für verrückt, weil du keinen Zusammenhang zwischen deinem Leben und den Dingen, die du schreibst, siehst.

Was soll das Ganze also? Was bringt uns das Gefasele über schriftstellerische Helden?

Warum dein Leben doch dein Schreiben beeinflusst

Keine Angst, ich werde dir nicht vorschlagen, dir ein Auge auszustechen, um herauszufinden, wie sich der Pirat in deiner Geschichte fühlt. Ich selbst müsste mich in dem Fall wohl umbringen, um mich in mein Geistermädchen Helene einzufühlen und darauf kann ich eindeutig verzichten. ;-)

Warum also Autoren als Helden? Weil das ein wunderschönes Symbolbild dafür ist, dass du dich auf deiner eigenen Queste befindest – der Queste durch dein Schreibleben. Du wirst eine Menge innerer und äußerer Hindernisse überwinden müssen, wenn du authentisch und erfolgreich schreiben willst. Vielleicht wird es manchmal ganz schön anstrengend sein und du wirst dich fragen, warum du dir das überhaupt antust.

Aber: Wenn deine Geschichten wirklich authentisch sein sollen, brauchst du den Input aus deinem ‘normalen’ Leben. Wie willst du über Angst schreiben, wenn du nicht selbst einmal vor einem bodenlosen Abgrund gestanden hast? Wie willst du wirklich berührende Charaktere formen, wenn Menschen im ‘wahren’ Leben für dich nur Platzverschwendung sind?

Mit jeder Erfahrung, die du machst, wird dein Schreiben reicher, dein Wortschatz kraftvoller und deine Geschichten berührender.

Dein ‘normales’ Leben und das Leben, das du in deinen Geschichten lebst, befruchten sich gegenseitig. Und das ist wunderschön.

Wie wäre es also, wenn du

  • deinen Alltag mehr wertschätzen würdest, obwohl du vielleicht glaubst, dass die Welt deiner Geschichten viel spannender ist?

  • dein Leben mal aus der Perspektive deines Lieblings-Helden betrachten würdest? Wie würde er deine Probleme lösen?

  • dich häufiger mal fragst, wofür dein Leben stehen soll und dir Raum für persönliche Entwicklung gibst?

  • dir bewusst machst, dass du jetzt schon ein Held bist. Heldentum ist nicht immer spektakulär. Wie wäre es, wenn du dich einmal für alle Schritte, die du schon gegangen bist, feierst? Denn aus Dankbarkeit für das, was wir haben, entsteht neue Kraft für die Zukunft.

Na, siehst du schon den Held in dir? Und was hältst du überhaupt von meinem Vergleich? Ich freue mich sehr über einen Kommentar. :-)

Alles Liebe dir,

Marie