Vorstellung ‘Das Amulett des Trebeta’ 5 – Mit Gott wetten?

Kann man eigentlich mit Gott wetten?

Ja, du hast richtig gelesen, eine Wette mit Gott, darum geht es im ‘Trebeta’. Und deswegen spielt natürlich auch Gott eine Rolle. Genau genommen ist er der Erzähler, der zwischen den einzelnen Kapiteln gerne mal seinen Senf dazu gibt.

Der ‘Trebeta’ ist eine Geschichte, die von keinem anderen als Gott erzählt wird. Zum Glück ist es ein wirklich unterhaltsamer Gott, der gerne gute Geschichten und Gleichnisse erzählt, wobei er mir manchmal ein bisschen chaotisch erscheint. Doch was will man schon erwarten, wenn man sich die Welt so anschaut? ;-)

Warum Gott als Erzähler? Weil es diese Figur war, die das ganze Buch begründet hat. Diese Stimme, die plötzlich in meinem Kopf anfing zu reden und mir die Geschichte erzählt hat. Ich glaube, er oder sie wäre beleidigt gewesen, einfach weggelassen zu werden.
(Und nein, ich glaube nicht, dass ich Neale Donald Walsch bin und Gott zu mir gesprochen hat ;-) ).

Er erzählt die Geschichte der Wette aus seiner Perspektive und ich finde sie sehr bereichernd. ;-) Außerdem hat er eine Menge zu sagen, über das Schicksal und den freien Willen und das, was den Menschen ausmacht.

Sicherlich willst du jetzt wissen, was es mit der Wette auf sich hat, aber das verrate ich nicht – ein bisschen Spannung sollte schließlich bleiben. :-)

Stattdessen schließe ich diese Woche mit einer ausführlichen Leseprobe ab, damit du ein Gespür dafür bekommst, wie die Zwischenteile aussehen, in denen Gott zu Wort kommt. Außerdem finde ich, dass die Leseprobe gut zur Gruppe passt, der wer hier ist nicht dem Zauber von Geschichten erlegen? ;-)

Vom Zauber einer Geschichte

Nachdem ich den freien Willen erfunden hatte, veränderte sich vieles. Die Menschen waren fortan sehr beschäftigt damit, eine Menge Unsinn auszuprobieren.
Und ich? Ich begann Geschichten zu erzählen. Geschichten wie diese.

Warum? Nun dafür gibt es viele Gründe. Es gibt mir ein Gefühl dafür, wie es für dich sein muss, den freien Willen zu haben. Denn im Geschichtenerzählen kannst du beides erleben: Die freie Entscheidung, einer Figur einen bestimmten Charakterzug zu geben; und dann die große Überraschung, was jene Figur daraus macht. Der freie Wille und die Fantasie ergeben eine wahrlich brisante Mischung.

Als ich die Menschheit im Gefolge des freien Willens auch mit Fantasie und der Fähigkeit Dinge weiterzuerzählen ausstattete, überblickte ich nicht ganz, wohin das führen würde. Ich habe einfach eine Schwäche für eine vielfältige Schöpfung, die imstande ist, sich selbst weiterzuentwickeln. Klug ist das nicht, übersichtlich schon mal gar nicht. Es macht die Dinge interessant. Aber es führt auch dazu, das manches sich anders entwickelt, als erwartet.

Ich gestehe, dass ich unglaublich gerne zusehe, wenn die Menschen dieses Spiel spielen, bei dem sie sich gegenseitig etwas ins Ohr flüstern. Nicht dass die Sätze, die sich geschunden und schamvoll dem Munde des Letzten in der Kette entringen, sonderlich geistreich wären. (Erst letztens beobachtete ich voller Schmerzen, wie eine Kette von nur vier Menschen aus ›Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten‹ ein ›das knarrende Mieder meiner Alten‹ machte.)

Nein, ich liebe dieses Spiel nicht, weil es geistreich ist. Auch nicht deshalb, weil der letzte Satz häufig selbst bei mir für belustigtes Stirnrunzeln sorgt. Ich mag es, weil es für mich den Menschen in seiner Essenz wiedergibt. Euer verzweifeltes Streben nach der Wahrheit, danach, alles richtig zu machen. Euren darauf folgenden Fehltritt, der weit sicherer ist als das Amen in der Kirche (heutzutage). Und schließlich eure höchst kreative (und manchmal auch etwas dämliche) Lösung für ein Problem, das ursprünglich gar nicht existierte.

Man könnte meinen, dass sich jemand in meiner Position eher über solche Dinge aufregt. Aber ich habe es vor ca. 10.000 Jahren aufgegeben, mich zu ereifern. (Na gut, meistens jedenfalls.) Die Dinge mit Humor zu nehmen ist von essenzieller Bedeutung, wenn du es schaffen möchtest, der Menschheit ein paar Jahrtausende zuzuschauen ohne ein Bedürfnis zu verspüren, das Weltende einzuläuten.

Seit dieser speziellen Idee von mir erzählen die Menschen gerne Geschichten. Die vertreiben die eisige Stille aus ihren Herzen und bringen sie zum Träumen. Sie erzählen davon, was alles möglich wäre, wenn das Leben nicht so wäre wie es ist.

Es sind doch nur Geschichten, magst du sagen. Was nützt einem die Fantasie, wenn die Realität trostlos aussieht?

Doch das stimmt nicht. Geschichten erzählen davon, was der Mensch sein kann, im Guten wie im Bösen. Nichts ist machtvoller als das.

Glaubst du wirklich, ich erzähle diese Geschichte nur, weil ich mich wichtig machen will?

Jede Geschichte ist der Beginn von etwas Neuem. Jede Geschichte verändert die Welt, denn in all ihrer Unwahrscheinlichkeit bietet sie dem Schicksal die Stirn.

Du hast ja keine Ahnung. Du bist bereits mittendrin in der Veränderung.