Vorstellung ‘Das Amulett des Trebeta’ 2 – Trier

Tag 2 meiner Vorstellung der Welt des Trebeta :-)

Trier – eine verfallene Stadt voll dunkler Geheimnisse

Der zweite Teil der Geschichte spielt in der Stadt Trier, Helenes Heimatstadt, die Willi vom ersten Moment an nicht mag (wäre er bloß mal seinem Riecher gefolgt, aber gut, dann hätten wir keine Geschichte…). Natürlich ist es nicht unser Trier, so wie es heute von den Touristen geschätzt wird, sondern eine Stadt, in der es MEHR gibt. Dunkle Geheimnisse. Geister. Und eine Legende, die besser unentdeckt bliebe.

Außerdem ist Trier.. nunja, lest selbst:

Niemand auf der ganzen Welt konnte genug Haare für einen Schutzvorhang gegenüber solch einem Inferno haben. Willy starrte verkrampft geradeaus und konzentrierte sich darauf, Helene nicht aus den Augen zu verlieren. Am Ende der Brücke hielt er kurz inne, drückte sich an die Seite, schloss die Augen und atmete tief durch.

Nicht dass es etwas genützt hätte, die Augen vor der Realität zu verschließen. Man hörte die Stadt auch, wenn man sie nicht sah. All das Klappern, Plappern, Kreischen und Ächzen klang ganz danach, als würde der alte Wolf in seinen letzten Todeszuckungen liegen. Wie konnten Menschen dauerhaft so viel Lärm ertragen, ohne verrückt zu werden?

Und man roch sie. Jenseits der Brücke stank die Stadt nach Mensch, was weit furchtbarer war als jeder Tiergeruch. Willy war sich schon bald sicher, dass er diesen Geruch nie wieder loswerden würde.

Seit sie die Brücke mit dem halb verfallenen Turm am Ende hinter sich gelassen hatten, war das Chaos vollkommen. Die Wagen, die von der Brücke gekommen waren, stauten sich ob der vielen Hindernisse, die sie in den engen Straßen erwarteten. Einmal wurde sogar eine ganze Schafherde vor ihnen hergetrieben, ein herumlungernder Hund verbiss sich hoffnungsvoll im Hinterbein eines Tieres und wurde vom fluchenden Schäfer ohne Federlesen erschlagen. Der Körper zuckte noch, als das nächste Fuhrwerk schwerfällig über ihn rollte und sich das Blut des Hundes in der Gosse mit den Ausscheidungen von Mensch und Tier mischte.

»Pass auf!«, kreischte Helene und versuchte ihn vergeblich zur Seite zu ziehen. Willy presste sich gegen die Hauswand, als ein Reiter mit dunklem Frack und heller Hose aus einer Toreinfahrt preschte und im Galopp durch die Menschenmenge brauste, die sich ängstlich und überraschend schnell vor ihm teilte. Das haselnussbraune, edle Reitpferd schien die Prozedur bereits zu kennen, denn es scheute selbst dann nicht, als einer der empörten Fußgänger ein buntes Tuch in seine Richtung schwenkte.

Willys Finger krallten sich in die Mauer, an der er lehnte und er versuchte, seinen hektischen Atem zu beruhigen.
»Darf der das denn?«, fragte er, mit einem fassungslosen Blick auf den sich rasch entfernenden Reiter.

Helene zuckte die Schultern, doch etwas in ihrem Blick zeigte ihm, dass ihr das Verhalten des Reiters nicht gleichgültig war.

»Wer will ihn daran hindern?«, fragte sie. »Schau dir doch nur an, wie es hier aussieht. Diese Stadt braucht neue Gesetze, und zwar bald.«

Hinter der nächsten Ecke musste Willy erneut rasch zur Seite springen, um der hoch aufspritzenden Blutfontäne eines gerade geschlachteten Schweines zu entgehen. Mehrere andere Passanten waren nicht so glücklich und schimpften lauthals über die roten Spritzer auf ihrer Kleidung. Den Schlachter schien die Empörung nicht zu kümmern und er fuhr seelenruhig in seiner Arbeit fort.

Willy schnaufte. »Ich hatte keine Ahnung, dass es hier so viele Menschen gibt!« Dass es überhaupt so viele Menschen auf der Welt gibt, fügte er in Gedanken hinzu.

Diese Szene ist übrigens aus einer historischen Quelle entstanden. In der alten Stadtgeschichte gibt es einen Erlass, in dem genau diese Zustände beschrieben und verboten werden – gut für mich, so konnte ich in etwa rekonstruieren, wie chaotisch Trier damals war. ;-)

Außerdem habe ich euch eine kleine Collage von einigen wichtigen Schauplätzen zusammengestellt. Oben links der Dom, den Willi so riesig und bedrohlich findet, oben rechts die Römerbrücke und damit das Eingangstor zu Trier, unten links eine Szene aus den Gassen des geheimnisvollen Dombezirks und unten rechts der Hauptmarkt mit dem Figurenbrunnen, der Willi in den Wahnsinn treibt. ;-)

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