Vom Widerstand gegen das Schreiben

WiderstandOder: Warum nicht sofort alles gut wird, wenn du deinen eigenen Roman schreibst

Kennst du die These, dass plötzlich alles ganz einfach wird, sobald du beginnst, deine größten Träume zu leben?

Das müsste doch bedeuten, dass es für dich ganz einfach sein müsste, dein Buch zu schreiben – wenn du WIRKLICH zum Schriftsteller berufen bist.

Den heutigen Beitrag widme ich allen schreibbegeisterten Menschen, die sich von ganzem Herzen zum Schreiben berufen fühlen und trotzdem auf eine Reihe von Hindernissen bei der Umsetzung stoßen.

 Denn die entscheidende Frage ist doch:

Machst du etwas falsch? Oder vielleicht doch nicht? ;-)

Nur Leichtigkeit auf dem Weg der Träume?

Sicherlich kennst du diese Sprüche und die dazugehörigen dauergrinsenden Gesichter:

‘Lebe deinen Traum und alles wird dir zufliegen’

‘Wenn du auf dem richtigen Weg bist, werden alle Hindernisse wie magisch weggeräumt’

Hmm, hört sich doch gut an, oder? Jedoch nur dann, wenn es dir wirklich so geht. Doch was, wenn nicht? Vielleicht ist dir eher so zu Mute:

Du hast gerade erst begonnen, deinen großen Traum vom eigenen Roman umzusetzen und schon läuft gar nichts mehr rund. Mister Schwellentroll meldet sich zu Wort und hat noch einen ganzen Sack an unliebsamen Freunden mitgebracht. Plötzlich verschwindet all deine Freizeit in einem magischen Loch; ganz nebenbei läuft dein gesamtes Umfeld Amok und erzählt dir, warum DU ganz sicher kein Buch schreiben kannst.

Nun ja, blöd gelaufen.

Heißt das jetzt, dass du aufs falsche Pferd gesetzt hast? Dass du eigentlich gar nicht schreiben willst sondern deine sehnlichste Traumerfüllung im Ausräumen einer Waschmaschine besteht? Na ja könnte doch sein. Schließlich heißt es, dass alles ganz leicht wird, wenn man nur auf dem richtigen Weg ist…

Genau deswegen ist dieser eigentlich positive Glaubenssatz so gefährlich: Weil er dich dazu verleitet, bei den geringsten Unstimmigkeiten auf deinen Schwellentroll zu hören und das Handtuch zu werfen, bevor du überhaupt richtig angefangen hast.

Hindernisse, so weit das Auge reicht…

Es stimmt, dass es ein ungemein erhebendes Gefühl ist, sich endlich auf den Weg zu machen. Nicht korrekt ist jedoch, dass damit alle Probleme ausgeräumt sind.

In meiner Erfahrung der letzten Jahre war es sogar meist exakt andersherum: Je größer und schöner das Ziel, desto massiver der Widerstand, auf den du gerade am Anfang stößt. Manchmal fühlt es sich sogar regelrecht so an, als wollten dir Schwellentroll und Universum (und alles, an was du sonst so glaubst) kollektiv mitteilen, dass deine schriftstellerischen Pläne nur Traumtänzerei sind.

Traumziel und Widerstand – wie passt das zusammen?

Wie kann es sein, dass wir gerade dann, wenn wir etwas wirklich Wichtiges für uns tun wollen, von zahlreichen Widerständen eingeholt werden?

Für mich hat sich die Frage beantwortet, als ich endlich bereit war, meine Zweifel an der Richtigkeit meines Weges für einen Moment lang ruhen zu lassen und stattdessen meiner eigenen Intuition zu lauschen.

Kurzum, ich hielt meinem Schwellentroll den Mund zu. Ohne sein ständiges Herumgejaule wurde es plötzlich sehr still in meinem Leben. Und jenseits der Stille wartete etwas anderes – Antworten.

Plötzlich wurde mir klar, dass es zwei Arten von Widerstand gibt, die wir sehr leicht miteinander verwechseln können. Denn oberflächlich betrachtet sehen sie gleich aus und fühlen sich sogar sehr ähnlich an.

Im Kern nämlich fühlst du dich dann ausgebremst – von dir selbst, anderen Menschen oder sogar dem Leben an sich. Du spürst, wie dein Schwellentroll hämisch an den Zügeln zieht, mit denen er dich gezähmt hat und kannst doch nichts tun, um dich von diesen Fesseln zu befreien.

Der Unterschied zwischen den beiden Arten des Widerstandes ist jedoch von zentraler Bedeutung für dich, dein Schreiben und dein allgemeines Lebensglück. Er liegt in der Ursache des Widerstandes, der sich in deinem Leben zeigt.

Die erste Form von Widerstand zeigt tatsächlich an, dass du auf dem falschen Weg bist. Die Zweite jedoch funktioniert genau anders herum: Sie tritt nur dann in Erscheinung, WENN du auf dem richtigen Weg bist. Ganz schön vertrackt, oder? ;-)

Im Folgenden stelle ich dir die Formen von Widerstand einzeln vor.

Der Widerstand des falschen Weges

Wir alle tragen einen ureigenen Kompass in uns, der sehr genau weiß, was uns gut tut. Sobald wir einen Weg einschlagen, der in eine Richtung führt, die nicht zu uns passt, lässt dieser sehr gesunde Kompass ein Warnlämpchen nach dem anderen aufleuchten. Das kann sich in vielfältiger Form manifestieren, durch Unsicherheit, ein mieses Gefühl aber auch beispielsweise durch ganz konkrete Hindernisse im Außen.

Da wir meist in unserer Erziehung nicht gerade darauf trainiert werden, auf unsere Intuition zu hören, fällt es den meisten von uns sehr schwer, diese Warnsignale wahrzunehmen und die richtigen Schlüsse daraus zu ziehen. Erschwerend kommt hinzu, dass es eine zweite Form von Widerstand gibt, die eben nichts damit zu tun hat, dass wir auf dem falschen Weg sind. Diese stelle ich dir im Folgenden vor:

Der Widerstand durch Überwindung alter Grenzen

Wenn du einen vollkommen neuen Weg im Leben gehst, also dich zum Beispiel dazu entschließt, endlich den Traum vom eigenen Roman wahr werden zu lassen, stößt du auf dem Weg zwangsläufig auf alte Grenzen. Einerseits an die Grenzen, die du selbst errichtet hast (was ist möglich – was ist unmöglich?), andererseits aber auch an die Grenzen, die deine Mitmenschen und dein Sozialsystem dir auferlegt haben und die du bislang einfach hingenommen hast.

So kann beispielsweise allein die Forderung nach mehr ungestörter Schreibzeit zu einem Aufschrei der Empörung bei Familie und Freunden führen. Vielleicht bemerkst du auch, dass deine eigene Entwicklung und die Verschiebung deiner Interessen dazu führen, dass du dich mit alten Freunden langweilst und dich nach neuen Kontakten sehnst. Und möglicherweise bekommst du auch plötzlich Angst vor deiner eigenen Courage, machst einen Sitzstreik auf dem Sofa und schaust dir gemeinsam mit deinem Schwellentroll eine Serie nach der anderen an, statt an deinem Roman zu schreiben.

All dies ist ärgerlich. Aber es ist auch normal. Diese Widerstände werden dich herausfordern, aber – und das ist sehr wichtig: SIE SIND KEIN ZEICHEN DAFÜR, DASS DU DEINEN TRAUM VOM ROMAN AUFGEBEN MUSST.

Sieh es einmal von der anderen Seite: Allein die Tatsache, dass Widerstände auftauchen, zeigt dir, dass du dich in die richtige Richtung bewegt hast. Denn nur, wer die eigenen Grenzen antestet, kann überhaupt auf diese Widerstände stoßen. Wie wäre es also, wenn du dir erst einmal zu deinen Fortschritten gratulierst, statt dich über die Steine zu ärgern, die noch im Weg liegen? Immerhin bist du schon weit genug auf deinem Weg gegangen, um die Steine sehen zu können, oder? ;-)

Ich hoffe, du hast jetzt einen guten Überblick darüber bekommen, welche Arten von Widerständen es bei neuen Projekten gibt.

Sicher beschäftigt dich nun die Frage, wie du die beiden Arten von Widerständen unterscheiden und wie du mit ihnen umgehen kannst. Und daher wird sich mein nächster Beitrag mit genau dieser Frage beschäftigen. Zunächst einmal möchte ich dich dazu einladen, selbst ein wenig mit der Frage schwanger zu gehen, welche Art von Widerstand dich gerade beschäftigt.

Stelle dir doch einmal folgende Fragen:

  • Wie fühle ich mich, wenn ich schreibe?

  • Welche Emotionen tauchen auf, wenn ich an mein Projekt denke?

  • Wenn ich es niemandem recht machen müsste, würde ich dann trotzdem dieses Romanprojekt angehen? Würde ich irgendetwas anders machen?

Lass diese Fragen einmal in Ruhe wirken und sei gespannt, welche Antworten sich zeigen. :-)

Tipp: Falls du aktuell mit einer ausgewachsenen Schreibblockade zu kämpfen hast, schau dir doch mal mein neues Newsletter-Freebie ‘Schreibblockaden erkennen und nachhaltig lösen’ an.

Einladung zum Austausch: Bist du schon einmal auf diese unterschiedlichen Formen von Widerstand gestoßen? Welche Wege hast du gefunden, sie zu unterscheiden? Ich freue mich auf deine Meinung!

Alles Liebe,

deine Marie