Vom Widerstand gegen das Schreiben Teil II

WiderstandUnterschiedliche Formen von Widerstand gegen dein Romanprojekt unterscheiden lernen

„Hallo Schwellentroll?“

„Hmmmpff??!“ (Schwellentroll schielt misstrauisch zu mir hinüber)

„Sag mal, wärst du so nett, deinen Widerstand gegen mein Schreibprojekt aufzugeben? Was bringt es dir denn, mich derart zu ärgern? Können wir das Ganze nicht wie vernünftige Menschen lösen? Zum Beispiel: Ich darf schreiben und du bekommst Schokolade?“

(Schwellentroll sagt nichts. Auf seinen Lippen erscheint ein feines, aber dämonisches Grinsen, was darauf schließen lässt, dass er keine Schokolade mag.)

Nun ja, es war einen Versuch wert. Aber falls dein Schwellentroll eine ähnliche Einstellung hat wie meiner, brauchst du wohl doch noch ein bisschen Anleitung, was den Umgang mit Widerständen gegen das Schreiben anbelangt. ;-)

Im letzten Beitrag habe ich beleuchtet, warum du bei deinem geliebten Romanprojekt manchmal mit Widerständen zu kämpfen hast und welche Formen von Widerstand es gibt.

Heute möchte ich mich daran anknüpfend mit der Frage beschäftigen, wie du diese Widerstände unterscheiden kannst und was du tun kannst, damit dich dein Schwellentroll nicht endgültig vom Schreiben abhält.

Das Zauberwort: Ehrlichkeit

Wie häufig machst du dir selbst etwas vor? Also mir passiert das ziemlich häufig, und das, obwohl ich mittlerweile sehr auf der Hut bin. ;-)

Wie häufig tust du etwas, obwohl du es eigentlich gar nicht willst? Führst du Gespräche, die dich eigentlich langweilen? Gibst du dich manchmal gut gelaunt, obwohl es eigentlich in dir brodelt?

Verstehe mich nicht falsch, es ist bis zu einem gewissen Punkt normal, auch Dinge zu tun, die du nicht magst, vielleicht einfach deswegen, weil sie gerade für einen anderen Menschen wichtig sind. Es ist vollkommen okay, dich als soziales Wesen an das System, in dem du lebst, anzupassen. Wenn du beispielsweise kleine Kinder hast, wird es für dich selbstverständlich sein, dass dein Roman manchmal unfreiwillig ruhen muss, weil ein tränenüberströmtes Kindergesicht deine ganze Aufmerksamkeit beansprucht. Du musst arbeiten, hast vielfältige Verpflichtungen… wenn du, wie ich annehme, auf dem Planeten Erde geboren bist, kannst du dich dem ganz normalen Leben nur schlecht entziehen. ;-)

Das große ABER

In einen Alltag eingebunden zu sein, ist okay.

Aber weißt du, was gar nicht okay ist? Dich selbst zu betrügen!

Ich möchte dir ein Beispiel geben:

Du triffst dich seit Jahren mit einer Freundesgruppe zum gemütlichen Beisammensein. Obwohl ihr euch längst auseinandergelebt habt, fühlst du dich verpflichtet, weiter hinzugehen. Du redest dir ein, es hätte dir gefälligst Spaß zu machen und das, obwohl du dich immer schrecklich langweilst und eigentlich viel lieber an den Figuren für deinen Roman basteln würdest.

Wenn du dich immer und immer wieder so verhältst, drängst du deine innere Stimme, die weiß, was gut für dich ist, immer weiter in den Hintergrund. Sie wird immer leiser, bis du sie gar nicht mehr hören kannst.

Und was hat das jetzt mit deinem Roman zu tun?

Zurück zu unserem Thema der verschiedenen Widerstände, die dir beim Schreiben begegnen können.

Wie findest du jetzt heraus, ob dein aktueller Widerstand dir sagen will, dass Schreiben einfach nicht das Richtige für dich ist?

Eine etwas gemeine Gegenfrage: Wie sicher bist du dir allgemein im Leben, was richtig und was falsch für dich ist?

Wenn du eine Unsicherheit darüber verspürst, ob du auf dem richtigen Weg bist, gibt es dafür nur eine wirklich nachhaltige Lösung: Du musst lernen, wieder mehr auf dich selbst zu hören, statt bei anderen Menschen nach Antworten auf deine Fragen zu suchen. Wenn du deine Intuition wieder intensiver wahrnimmst und auch lernst, ihren Antworten zu vertrauen, werden sich viele deiner Selbstzweifel ganz von selbst auflösen. Und ganz nebenbei gibt es für dich als Romanschriftsteller einen wunderschönen Nebeneffekt: Denn deine Intuition hat häufig fantastische Vorschläge, was deinen Plot oder die Ausgestaltung deiner Figuren angeht. :-)

Die eigene Intuition wecken – wie geht das?

Im Folgenden möchte ich dir zwei Übungen vorschlagen, mit denen du wieder ein besseres Gefühl für dich selbst entwickeln kannst:

1) Den Alltag nutzen:

Zum Glück lässt sich ein Gefühl für eigenen Wünsche und Bedürfnisse wunderbar trainieren. Es ist wie ein Muskel, der stärker wird, wenn er regelmäßig genutzt wird. Du kannst mit kleinen Fragen des Alltags beginnen. Das einzige, was du dafür brauchst, ist Aufmerksamkeit und Ehrlichkeit dir selbst gegenüber. Wenn du das nächste Mal zum Beispiel vor dem Fernseher sitzt, horche einen Moment in dich hinein und frage dich: Ist das wirklich der Film, den ich jetzt gern sehen möchte? Möchte ich überhaupt fernsehen?

Du kannst dies in allen möglichen Alltagssituationen durchspielen. Beim Essen, bei der Arbeit, beim Gespräch mit einem Freund, sogar beim Sex… ;-)

Für den Anfang lausche nur auf die Antworten, die kommen, ohne gleich etwas verändern zu wollen. Selbst wenn du auf diesem Weg auf zahlreiche Ungereimtheiten in deinem Leben stoßen solltest, darfst du darauf vertrauen, dass sich bald Wege zeigen, um deine ‘Baustellen’ nach und nach in Ordnung zu bringen.

Du wirst auch überrascht sein, welche Wirkung diese Übung auf dein Schreiben hat. Denn du wirst nicht nur dein eigenes Leben klarer wahrnehmen, sondern auch ein besseres Gefühl für deine Protagonisten mit ihren Sorgen und Nöten bekommen. So werden aus deinen Figuren rasch lebendige Menschen, die die Fähigkeit haben, deine Leser zu berühren.

Lass dich selbst von deinem Leben berühren – und du berührst auch deine Leser.

2) Lausche dir selbst

Wenn du noch etwas tiefer gehen möchtest, kannst du dir zusätzlich 15-30 min Zeit am Tag nehmen, in denen du nichts tust, als dazusein und nach innen zu lauschen. Sei nicht überrascht, wenn du am Anfang nicht viel ‘hörst’ sondern nur von Minute zu Minute nervöser wirst ;-) Das ist vollkommen normal, wenn du es bislang nicht gewöhnt warst, wirklich einmal nichts zu tun.

Aber es lohnt sich, das verspreche ich dir. Nach einer Weile wirst du ingesamt viel ruhiger und siehst sehr deutlich, was für dich in deinem Leben gerade wichtig ist.

Wenn du eine oder beide dieser Übungen eine Weile durchführst, wird es für dich immer klarer werden, ob du mit deiner Schreiberei auf dem richtigen Weg bist.

Doch was, wenn dir das gar nicht weiterhilft? Weil du nämlich sowieso bombensicher bist, mit deinem Romanprojekt auf dem richtigen Weg zu sein?

Wenn dein Widerstand nichts damit zu tun hat, dass du auf dem falschen Weg bist, lies weiter:

Umgang mit dem Widerstand der alten Grenzen

Wie ich bereits im ersten Teil dieser Beitragsreihe angekündigt habe, gibt es eine Art von Widerstand, die gerade dann auftaucht, wenn du bereit bist, den großen Sprung zu wagen und über deine Grenzen hinauszuwachsen.

Ich verwende dafür ganz gerne das Bild des Schwellentrolls. Hier kannst du mehr über ihn erfahren.

Es kann ganz schön frustrierend sein, wenn du als werdender Schriftsteller gerade all deinen Mut zusammengerafft hast, um jetzt ENDLICH WIRKLICH dieses Buch zu schreiben und dann plötzlich nur auf Hindernisse stößt. Wie das ganz konkret aussehen kann, habe ich bereits im ersten Beitrag geschildert.

Was tun?

Grundsätzlich gibt es keine Möglichkeit, diese unangenehme Phase gänzlich zu umgehen. Sie ist Teil des Weges und du musst mitten hindurch, wenn du weiterkommen willst.

Im Folgenden findest du einige Anregungen, die dich dabei unterstützen, sanfter durch diese Phase zu gehen und ein tieferes Verständnis für die Vorgänge zu entwickeln:

  1. Ärgere dich nicht über den Gegenwind, und vor allem nicht über dich selbst. Erinnere dich daran, dass diese Widerstände im Grunde ein gutes Zeichen sind: Du bist weit genug auf deinem Weg fortgeschritten, damit bei deinem Schwellentroll die Alarmglocken läuten.

  2. Frage dich, inwieweit der Widerstand, auf den du triffst, mit der Lösung aus alten Verhaltens- oder Glaubensmustern zu tun hat. Was versuchst du gerade ganz anders zu machen als früher? Kannst du sehen, welche riesigen Schritte du gerade zu machen versuchst und dass es normal ist, dass sich dabei Widerstand zeigt?

  3. Frage dich dabei ehrlich: Kann es sein, dass ein Teil von dir noch Angst vor dem neuen Weg hat?

  4. Der Widerstand erreicht dich in Form einer anderen Person? Könnte es sein, dass die vorgebrachte Kritik dazu dient, dich in alten Beziehungsstrukturen festzuhalten und dir eine bestimmte Rolle zuzuweisen? Dieses Verhalten deines Gegenübers kann übrigens vollkommen unbewusst und keinesfalls böse gemeint sein.

  5. Der ultimative Schriftsteller-Tipp: In deinem Leben geht es drunter und drüber? Hast das schon einmal als Übungsfeld und Spielwiese für die Gestaltung deiner Geschichten betrachtet? Am Drama in deinem Leben kannst du wunderbar studieren, wie Menschen in bestimmten Situationen reagieren und dies später gewinnbringend in deine Roman einbringen.

Nur Mut!

Deine Geschichten aufzuschreiben, wird dich immer wieder an deine Grenzen bringen. Du wirst Widerstände erleben, harsche Kritik einstecken müssen und vielleicht auch die eine oder andere Niederlage.

Aber du bist auf dem Weg!

Auf deinem Weg, von dem du immer geträumt hast – ist das nicht wundervoll?

Dein Buch ist deine Chance, über dich selbst herauszuwachsen und jeder Widerstand, auf den du triffst im Grunde nichts weiter als ein liebevoller Weckruf des Lebens, für das einzustehen, was wirklich wichtig für dich ist.

Bist du bereit dazu?

Was tust du, wenn ein Widerstand dein Schreiben blockiert? Ich freue mich auf deine Ideen und deine Meinung!

Alles Liebe dir!

Deine Marie