Verlorene Jahre – gibt es das?

Zeit, verlorene Jahre

Warum es keine verschwendete Zeit gibt

In den letzten zwei Jahren habe ich viel nachgedacht. Die meisten Gedanken beschäftigten sich dabei mit meiner Vergangenheit. Und zwar damit, dass sie nicht so war, wie sie sein sollte.

Ich sagte mir ständig:

Wenn ich nur früher gewusst hätte, was ich wirklich will, dann hätte ich so viel früher mit den wichtigen Dingen anfangen können.

Ich hätte mir fast sieben Jahre Studium sparen können.

Ich hätte mir die Erfahrung diverser mieser Jobs sparen können.

Ich hätte womöglich gleich die richtige Wohngegend gewählt und mich nicht erst vier Jahre in einer unmöglichen Wohnung geärgert.

Doch der schlimmste Gedanke ist folgender:

Wo könnte ich heute schon sein, wenn ich mir diese verlorenen Jahre erspart hätte?

In meiner Gedankenwelt bin ich dann viel weiter als ich es heute bin. Ich habe ein besseres Auskommen, bin glücklicher und entspannter.

Doch ist dies wirklich wahr?

Es hat eine ganze Weile gedauert, bis ich dahinter kam, dass mein Schwellentroll hinter den Gedanken an verlorene Jahre steckte. Sie erschienen mir so harmlos, weil sie sich scheinbar mit dem Positiven, dem was sein sollte, auseinandersetzten.

Doch das Kriterium für die Einmischung des Schwellentrolls ist eigentlich einfach:

Wenn der Gedanke dir Unbehagen oder sogar Schmerzen bereitet, hat dein Schwellentoll definitiv die Finger im Spiel.

So habe ich entdeckt, dass der Gedanke an verlorene Jahre ganz klar ein Schwellentroll-Gedanke ist.

Einfach ignorieren?

Nachdem ich den Schwellentroll in diesen Gedanken identifiziert hatte, fiel mir zunächst nichts Besseres ein, als diese Gedanken einfach nicht mehr zuzulassen. Ich richtete mein Denken und Fühlen ganz auf die Zukunft aus und versuchte, die unschönen Zeiten zu vergessen.

Doch mein Schwellentroll nahm das nicht einfach so hin. Auch wenn ich ihn auf ‘stumm’ geschaltet hatte, rumorte er in meinem Inneren weiter und raubte mir die Energie, die ich so dringend für meine aktuelle Situation brauchte.

Und jedes Mal, wenn ich jemanden in meinem Alter traf, der anscheinend erfolgreicher und weiter war als ich, gab es da eine bösartige Stimme in meinem Inneren, die sagte:

‘siehst du, hättest du mal früher dies oder jenes getan, dann wärst du jetzt genau so weit.’

Und diese Stimme tat sehr weh.

Natürlich habe ich versucht, gegen den Schwellentroll zu argumentieren. Ich versuchte anzuführen, dass ich ja schließlich noch sehr jung sei und daher noch alle Möglichkeiten offen hätte. Aber der Schwellentroll hatte natürlich immer das bessere Argument parat.

‘Und was ist mit den Jahren, die du definitiv vergeudet hast?’

Hätte ich überhaupt einen anderen Weg gehen können?

Letztendlich war es ein Schlüsselerlebnis, das mich aus dieser Spirale befreit hat. Eines Tages, als ich wieder einmal so weit war, dass ich darüber grübelte, warum ich studiert und nicht eine Ausbildung in kreativem Schreiben gemacht hatte, musste ich plötzlich daran denken, dass ich meinen Lebenspartner an der Uni kennengelernt hatte.

Und dann wurde mir klar, dass ich ihn in diesem Traumleben, dass ich mir gerade ausmalte, ganz sicher nicht kennengelernt hätte.

Huch! Von wegen verlorene Jahre!

Dieser neue Gedanke war wie eine kleine Flamme, die sich nach und nach in meinem Bewusstsein ausbreitete. Mir wurde klar, dass alles, was ich in der Vergangenheit erlebt hatte, ganz gleich ob schön oder unschön, mich zu meinem heutigen ich geführt hatten.

Ohne Uni hätte ich den Mann meines Lebens nicht kennengelernt und außerdem gab es keinen anderen Weg, um herauszufinden, was ich NICHT wollte.

Ohne Burnout wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, mich um mich selbst zu kümmern.

Ohne die vielen kleinen und großen Schicksalsschläge hätte ich mir niemals die Frage gestellt: Wer bin ich und welchen Platz möchte ich in diesem Leben einnehmen? (und dann hätte es sicherlich auch diesen Blog nie gegeben.)

Die Antwort lautete also für mich:

Sicher hätte ich einen anderen Weg gehen können, aber dann wäre ich nicht ich gewesen.

Es gibt keine Abkürzung durch das Leben

Ich habe also begonnen, die roten Fäden des Sinns, die sich durch mein Leben ziehen, einfach zu akzeptieren.

Ich habe verstanden, dass ich immer erst im Nachhinein (und vielleicht auch nie) erkennen kann, welchen Sinn ein bestimmtes Ereignis hat.

Dass selbst den blödsinnigsten Entscheidungen in unserem Leben eine tiefere Weisheit innewohnt, die uns reifen lässt.

Zu leben, Entscheidungen zu treffen und ‘Fehler’ zu machen, ist vielleicht unsere beste Möglichkeit, zu uns selbst zu finden.

Und plötzlich war mein Schwellentroll sprachlos.

Ich hoffe, deiner ist es auch!

Was sagt dein Schwellentroll zu deinen ‘verlorenen Jahren’? Wie gehst du damit um? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße, Marie

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