Verletzlich sein ist was für Helden

Vielleicht interessiere ich mich deshalb fürs Mittelalter, weil ich ein ziemlich guter Ritter geworden wäre.

Okay, vielleicht nicht was die Manieren angeht.

Aber dafür habe ich meine Rüstung immer dabei. Und zwar angezogen.

Falls mich mal irgendjemand angreift.

Ich meine, es könnte ja sein, dass mich jemand im Supermarkt zu einem Duell herausfordert, oder?

Es ist wirklich praktisch so einen Panzer zu haben.

Okay, Spaß und Mittelalter beiseite.

Natürlich trage ich keine 70 kg Eisen mit mir herum.

Aber mein Panzer erfüllt eine ähnliche Funktion: Nicht verletzt zu werden.

Ich stecke in einem dicken Panzer aus alten Mustern und Abwehrhaltungen, der mich gegen Einflüsse von außen schützen soll. Denn irgendwann habe ich einmal gelernt, dass es gefährlich ist, sich zu zeigen. Dass es sicherer ist hinter dieser unsichtbaren Wand.

Ich möchte nicht, dass andere mich verletzen. Ich möchte nicht leiden. Und vor allem möchte ich eines: Die Kontrolle über mein Leben behalten.

Mein Schwellentroll gibt mir dabei immer recht. Er warnt mich davor, was passieren könnte, wenn ich mich verletzlich zeige. Wenn ich ihn nicht besser kennen würde, hätte ich das Gefühl, er wolle mich beschützen und bemuttern.

Doch halt!

Irgendwas stimmt da doch nicht!

Ich meine, ist es nicht merkwürdig, dass ausgerechnet mein Schwellentroll mich davor warnt, mich verletzlich zu zeigen? Als wenn der um mich besorgt wäre!verletzlich

Wir sind aber verletzlich

Hand aufs Herz, hat dein Panzer je schon mal richtig funktioniert? Gibt es da nicht doch immer wieder Schwachstellen, durch die unangenehme Worte oder Handlungen an dein Herz dringen?

Und wenn das so ist: Was in aller Welt nützt dir ein Panzer, der nicht ausreichend schützt?

Was ich damit sagen will, ist Folgendes: Wir sind einfach verletzlich. Daran gibt es nichts zu rütteln, ganz gleich, ob es uns gefällt oder nicht.

Wir können all unsere Energie in Abwehrmechanismen stecken, doch es gibt immer eine Stelle, die wir vergessen. Das ist wie mit dem Drachen, der getötet wird, weil ihm eine (!) Schuppe fehlt.

Natürlich könnten wir auch versuchen, allen Gefahren aus dem Weg zu gehen. Uns im Schlafzimmer einsperren. Unters Bett kriechen.

Ich habe es ausprobiert. Es hat nicht funktioniert, denn auch unter dem Bett war ein Monster. Und das sah aus wie ich selbst.

Um also mit einer sehr unangenehmen Wahrheit herauszurücken: Nach meiner Erfahrung gibt es keinen Ort in der realen Welt, an dem wir definitiv nicht verletzt werden können.

Wir können uns nicht verstecken.

Ziemlich beängstigend, nicht?

Und das Erstaunlichste: Obwohl wir das doch alle irgendwie wissen, behalten wir weiter unsere unbequemen Panzer an. Um wenigstens die Illusion aufrecht zu erhalten, geschützt zu sein.

Es ist natürlich dein gutes Recht, weiterhin deinen Panzer zu tragen. Trotzdem möchte ich dir einige gute Gründe nennen, warum es sich lohnt, dich von diesem Ding zu befreien.

Entscheide danach selbst, ob du probehalber eine Schicht ausziehen möchtest.

4 Gründe, warum es sich lohnt, sich verletzlich zu zeigen:

1) Es wird leichter

Okay, das ist vielleicht selbstverständlich. Wenn man etwas Schweres auszieht, wird vieles leichter. Aber hast du dir schon einmal in allen Konsequenzen überlegt, was das für dein Leben bedeutet? Wir alle streben nach einem glücklichen, zufriedenen Leben. Und falls Glück für dich etwas Ähnliches bedeutet wie für mich, dann steht es in ziemlichem Widerspruch zu verkrampften Muskeln und Magenschmerzen.

Grund eins für Verletzlichkeit ist also ganz einfach:

Dir wird es schon rein körperlich besser gehen.

Überlege dir mal: Wie oft und wie intensiv müsstest du von anderen verletzt werden, bis es genauso wehtut, wie das, was du dir durch deine Abwehr selbst zumutest?

2) Du triffst die richtigen Leute

Das Problem an einem Gefühlspanzer ist, dass er in beide Richtungen undurchlässig ist. Das stellen letztendlich alle Menschen fest, die Mauern bauen: Das Ding schützt sie zwar, beraubt sie dafür aber einer Sache, ohne die ihr Leben leer und kalt wird: Dem wirklichen Kontakt zu anderen Menschen.

Schon möglich, dass du trotz deiner Abwehr kein Einsiedler bist.

Aaaber: Bist du wirklich du selbst, wenn du mit anderen Menschen redest? Oder glaubst du jemand anderes sein zu müssen? Jemand, der stark und unverletzlich ist?

Das Problem dabei ist einfach folgendes: Deine potentiellen Freunde freunden sich mit deiner Pseudo-Persönlichkeit an und nicht mit dir selbst. Und wenn sich sowas richtig gefestigt hat, fällt es dir doppelt so schwer, diese Maske, die du trägst, wieder abzulegen. Denn es könnte ja sein, dass das, was darunter liegt, niemandem gefällt.

3) Du nimmst anderen die Angst, verletzlich zu sein

Glaubst du wirklich, dein Gegenüber leide nicht unter den gleichen Ängsten wie du? Was wäre, wenn du den ersten Schritt gehst und es wagst, verletzlich zu sein? Nimm du die Rüstung ab und zeige damit, dass das Turnier vorbei ist.

Vielleicht ist dein Mitmensch sogar froh, wenn er auch endlich dieses schwere Ding abnehmen kann.

4) Du spürst deinen wunderbaren Wesenskern

Die Mauer, die du um dein Herz errichtest, hält nicht nur andere Menschen von dir fern. Sie hält auch dich im Außen fest. Und irgendwann hast du vergessen, was jenseits der Mauer ist. Dann möchtest du das Tor zu deinem Inneren vielleicht gar nicht mehr öffnen, weil du Angst hast, dass dort nichts ist.

Wenn du deine Schutzmechanismen fallen lässt, erkennst du wie wunderbar du bist. Und du wirst sehen, warum das, was hinter diesem Panzer liegt, in seinem Kern gar nicht verletzt werden kann.

Bist du bereit, es auszuprobieren?

Sich zu zeigen ist ein Risiko, das möchte ich gar nicht kleinreden. Und natürlich gibt es Situationen, in denen es gut und richtig ist, sich zu schützen. Nicht alle Menschen zeigen immer eine angemessene Reaktion. Dem ein oder anderen Mitmenschen bist du vielleicht ein Dorn im Auge, weil das, was du tust, seine eigenen Ängste wachruft. Und es wäre unrealistisch, anzunehmen, dass er das niemals an dir auslässt, nur, weil du ihm keinen Grund dazu gibst.

Doch wenn wir nicht bereit sind, uns wenigstens ein ganz kleines bisschen zu zeigen, sind wir vielleicht sicherer, verpassen aber das, wozu wir hier sind: Das Leben.

Welche Ängste halten dich davon ab, dich verletzlich zu zeigen? Hast du schon ein paar Schichten abgelegt und wenn ja: Wie hast du das geschafft? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie

Wie man ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickelt.

gesundes Gefühl für sich selbstHast du schon mal den Spruch gehört, dass man Beziehungen pflegen muss, wenn man möchte, dass sie langfristig funktionieren?

Und was ist mit der Beziehung zu dem wichtigsten Menschen in deinem Leben, pflegst du die auch?

Klar doch, wirst du jetzt vielleicht sagen, erst gestern hatte ich einen schönen Filmabend mit meinem Partner / meiner besten Freundin oder wem auch immer.

Aber auch wenn dich das vielleicht schockiert: Das sind nicht die wichtigsten Menschen in deinem Leben.

Der wichtigste Mensch in deinem Leben bist DU

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, was dieser Artikel in einer Reihe über den Umgang mit anderen Menschen zu suchen hat. Ja, er ist hier richtig. Und nein, ich habe ihn nicht deswegen geschrieben, weil mir sonst nichts mehr eingefallen ist.

Der Grund, warum der Artikel in dieser Serie erscheint, ist folgender: Deine Beziehung zu dir selbst bestimmt auch deinen Umgang mit anderen Menschen. Und zwar ganz zentral.

  • wenn du nicht weißt, was dir schadet, kannst du dich nicht ausreichend abgrenzen (Selbstschutz)

  • wenn du keinen Kontakt zu dir selbst als dem nächsten menschlichen Wesen herstellen kannst, wie willst du da andere Menschen erreichen?

  • Die Liebe und Wertschätzung, die du anderen Menschen entgegenbringen kannst, ist direkt abhängig davon, ob du dir diese Gefühle selbst entgegenbringst.

Nicht jeder Mensch hat ein gesundes Gefühl für sich selbst überhaupt entwickeln können. Andere haben es irgendwann im Laufe eines fremdbestimmten Lebens wieder verloren.

Stehst du noch in Kontakt mit dir selbst? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach und erfordert radikale Ehrlichkeit. Hier ein paar Wegweiser:

10 Punkte, an denen du erkennst, dass du das Gefühl für dich selbst verloren hast.

  1. Du reibst dich gerne an Aufgaben auf und merkst erst viel zu spät, dass du dich überanstrengt hast. ‘Puuh, jetzt bin ich aber fertig.’

  2. Dein Leben richtet sich nach den Dingen, die andere Menschen für wichtig halten und nicht nach deinen eigenen Wünschen. ‘Natürlich muss ich an Weihnachten alle Verwandten besuchen.’

  3. Manchmal kannst du gar nicht mehr so genau sagen, ob du gerade das tust, was du wirklich willst oder das, was du wollen solltest. ‘Eeeigentlich ist mein Job als Sachbearbeiter doch ganz nett.’

  4. Es fällt dir schwer, zu sagen, was dich glücklich macht. ‘Glück, hmm. Irgendwas wird schon im Fernsehen laufen.’
  5. Wenn jemand eine sehr überzeugte Meinung von einem Thema hat, traust du dich nicht, anderer Meinung zu sein. ‘Klar doch, du hast vollkommen Recht, dass Frauen/Männer doof sind.’

  6. Es ist dir unangenehm, mit dir selbst allein zu sein, ohne eine Beschäftigung zu haben. ‘Aarrhgg!! Irgendwas muss ich doch TUN!’

  7. Manchmal wenn du dein Leben betrachtest, hast du den Eindruck, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. ‘Es gibt tausend Sachen zu erledigen!! Ähh, was wollte ich eigentlich überhaupt machen?’

  8. Du misst dich an den Maßstäben anderer Der Kollege ist nach seinen 80 Arbeitsstunden noch topfit. Also bin ich ein Versager.’

  9. Du magst dich eigentlich nicht besonders ‘Uäh, was schaut mich denn da im Spiegel an??’

  10. Du hast nicht das Gefühl, ganz und gar in deinem Körper zu ruhen.

 

Erwischt? Und jetzt?

Wie kann man ein gesundes Gefühl für sich selbst (wieder)entwickeln?

Ein bisschen Erste Hilfe:

1) Heilsames Alleinsein:

Wenn du zu den Menschen gehörst, denen es schwer fällt, nichts zu tun und mit niemandem zu reden, wird es Zeit, hier deinen Schwellentroll herauszufordern. Richte dir Zeiten zum Alleinsein und Nichtstun ein. Aber nicht schummeln! Kein Buch, kein Internet, kein Telefon. Und wehe, du räumst in dieser Zeit die Wohnung auf ;-)

Alleinsein kann am Anfang richtig wehtun. Aber es hilft!

2) Den Körper fühlen:

Wenn du dein gesundes Gefühl für dich selbst verloren hast, geht das häufig mit einer fehlenden Körperwahrnehmung einher. Ich meine damit nicht, dass du plötzlich nicht mehr weißt, ob du noch alle Arme hast. Ich meine eher, dass es sich so anfühlt, als wäre dein Selbst irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs und eben nicht in deinem Körper. Indem du dich bewusst auf deine Körperwahrnehmung konzentrierst, kannst du wieder mehr in deinen Körper zurückfinden. Eine gute Einstiegsübung ist es, dem Atem auf seinem Weg durch deinen Körper zu folgen und zu fühlen, wie sich dein Körper ausdehnt und zusammenzieht.

3) Dich selbst mögen lernen:

Okay, alle Punkte, die du an dir nicht magst, dürften bereits bekannt sein. Jetzt geht’s ans Eingemachte: Und was an dir ist wirklich toll? Wie wäre es, wenn du versuchst, jeden Tag eine Kleinigkeit zu finden, die du wirklich an dir magst?

Es hilft übrigens nichts, sich diese Dinge gebetsmühlenartig aufzusagen oder der Partnerin nachzuplappern. ‘Oh, dein Haar ist sooo schön!’ Ist es das für dich wirklich? Was daran ist schön? Sei ehrlich zu dir selbst, du musst nicht alles an dir gut finden. Hauptsache, du findest irgendetwas ;-)

Und du wirst etwas finden, sei da ganz beruhigt. :-)

Ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickeln bedeutet auch, sich selbst lieben lernen…

4) Liebes Tagebuch…

Schreibe auf, was dich beschäftigt. Nimm dir regelmäßig Zeit, deine Sorgen, Nöte und Hoffnungen zu Papier zu bringen. Es wird dir helfen, klarer zu sehen. Es ist dabei sehr hilfreich, einfach aufzuschreiben, was dir gerade in den Sinn kommt, ohne es zu bewerten. Ansonsten wird dir womöglich dein Schwellentroll diktieren, was du zu schreiben hast.

Lass es einfach fließen und schau dir erst danach an, was du geschrieben hast.

Vielleicht willst du diese Schreibübung zu einem wöchentlichen Ritual machen?

5) Der Freu-Dich-Termin:

Tue regelmäßig etwas, das dir wirklich Freude macht. Es ist vollkommen egal, was es ist, aber es sollte in dir eine ungezwungene, kindliche Freude wachrufen. Das Gefühl der Freude führt auf direktem Weg zu dir selbst. Und ja, das gehört in deinen Terminkalender. Und dieser Termin ist genauso wenig verschiebbar, wie ein Zahnarzttermin (wenn auch hoffentlich angenehmer). Du kannst keine Freundschaft zu einem Menschen aufbauen, dessen Termine du nicht ernst nimmst.

Hast du dich schon einmal mit dem Thema ‘ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickeln’ beschäftigt? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Mit welchen weiteren Tipps und Übungen lässt sich ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickeln? Ich freue mich auf regen Austausch. :-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie

Selbstschutz – warum auch du zu einer gefährdeten Spezies zählst.

SelbstschutzDominante Familienmitglieder, die unsere Zeit über Gebühr beanspruchen, Chefs und Kunden mit Sonderwünschen und Drohungen bei Nichterfüllung im Gepäck. Der Verein, der unbedingt noch einen ehrenamtlichen Kassenwart sucht oder der Nachbar, der ständig wissen will, ob er die Straße nun rechtsrum oder linksrum kehren soll…

Kommt dir das irgendwie bekannt vor?

Hast du manchmal das Gefühl, nach den Maßstäben anderer Menschen zu leben? Bist du unendlich erschöpft, weil du das Gefühl hast, nie genug zu machen, um allen gerecht zu werden? Gehst du abends ins Bett und bist frustriert, weil du wieder nichts von dem gemacht hast, was dir wichtig war?

Jetzt wirst du wahrscheinlich sagen: Ja, aber es ist doch normal und gut, anderen Menschen zu helfen!

Du bist auch ein Mensch!

Das stimmt auch. Menschen zu helfen ist eine gute Sache und sehr befriedigend. Aber hast du mal darüber nachgedacht, dass du auch ein Mensch bist? Dass du deine eigene Hilfe auch ganz gut brauchen könntest?

Wenn du deine eigenen Grenzen ignorierst, gibt es zumindest einen Menschen in deinem Leben, den du grob missachtest. Und es ist ausgerechnet derjenige, mit dem du den Rest deines Lebens verbringen musst. Wäre es nicht sinnvoll, sich um diesen Menschen zu kümmern und dich sogar mit ihm anzufreunden?

Und natürlich darfst du weiterhin anderen Menschen helfen. Das ist eine wunderbare Sache, vor allem, wenn die Unterstützung auch zurückkommt. Achte aber darauf, dass aus dem Miteinander keine Ausbeutung wird. Dein Gefühl ist ein sicherer Wegweiser dafür, wann es genug ist. Vor allem dein Bauch wird dir durch Unwohlsein zeigen, wann du deine Mitte verlässt und beginnst, dich zu missachten.

Doch das Gefühl allein reicht noch nicht. Um aus dem Hamsterrad dieses selbstschädigenden Verhaltens auszusteigen, brauchst du einen wirkungsvollen Selbstschutz.

Selbstschutz – Stopp sagen lernen

Wenn du einen wirkungsvollen Selbstschutz aufbauen willst, beginnst du am Besten damit, eine No-Go-Linie zu definieren. Wie weit dürfen bestimmte Menschen in deinem Leben gehen, bevor du Stopp sagst? Welche Lebenssituationen sind für dich tolerierbar, welche aber nicht?

Entwickle ein Gefühl, das die ganz klar sagt, ab welchem Punkt du Stopp sagen musst, weil du dich sonst selbst gefährdest. Das Wichtigste daran: Diese Grenze muss KLAR sein. Wenn du willst, dass andere Menschen diese Grenze akzeptieren, solltest du sie auch klar kommunizieren. Und du solltest es dir nicht wöchentlich anders überlegen. Versuche in einem ersten Schritt, die magische Grenze für dich selbst zu klären. Erst dann kannst du sie auch überzeugend nach außen kommunizieren.

Lass dir Zeit. Es dauert eine Weile, dieses Gefühl für die eigene Grenze zu entwickeln. Sei liebevoll zu dir und horche in dich hinein. Deine innere Stimme weiß genau, was für dich richtig ist. Du musst ihr nur zuhören.

Nur DU entscheidest, wann es genug ist

Lass dich nicht von anderen beeinflussen. Deine Grenzen sind deine Sache. Es ist vollkommen egal, ob andere es beispielsweise normal finden, 80 Stunden die Woche zu arbeiten. Wenn das für DICH nicht richtig ist, ist das okay. Kein Mensch hat das Recht, die Grenzen eines anderen zu definieren.

Mach dich auf Widerstand gefasst

Wenn du damit beginnst, deinen Selbstschutz umzusetzen, ist Widerstand zunächst normal. Unsere Gesellschaft ist im Augenblick noch darauf ausgelegt, sich extrem übergriffig auf das Leben ihrer Mitglieder zu verhalten. Die meisten Menschen kuschen, vor Vorgesetzten, vor dominanten Familienangehörigen, vor dem allgemeinen ‘das macht man halt so’. Sie haben verständlicherweise Angst, etwas zu verlieren, zum Beispiel ihren Job. Paradoxerweise gibt aber erst diese bedingungslose Unterwerfung übergriffigen Arbeitgebern die Möglichkeit, sich derart asozial gegenüber ihren Arbeitnehmern zu verhalten.

Gehe nur so weit, wie es dir guttut

Sich aus diesem System zu befreien und eigene Wege zu gehen, ist ein Balanceakt. Wie viel oder wie wenig Rebellion dir gut tut, kann ich dir nicht sagen. Nur so viel als Tipp: Taste dich vorsichtig an deine Selbstschutz -Linie heran. Du musst nicht gleich am ersten Tag deinem Chef sagen, dass er ein arrogantes Arschloch ist…

Sei aber auch bereit, deine Grenzen gegen andere zu verteidigen. Natürlich haben wir alle Angst, es uns mit Menschen zu verscherzen, die eine wichtige Rolle in unserem Leben spielen. Wir haben Angst, allein gelassen zu werden. Angst, unsere Arbeit zu verlieren und auf der Straße zu landen. Es ist auch nicht weiter schlimm, einen Kompromiss zu machen, mit dem man gut leben kann.

Ist es das wert?

Doch wenn du auf dem besten Weg bist, krank oder todunglücklich zu werden, denk nicht immer nur daran, was du verlieren könntest, wenn du es wagst, Grenzen zu setzen. Denk auch daran, was du sicher verlierst, wenn du so weitermachst. Deine Lebensfreude? Deine Gesundheit? Wenn es dich schwer trifft sogar dein Leben?

Am Anfang wirst du dir beim Setzen deines Selbstschutz egoistisch vorkommen. Vielleicht werden sich sogar ein paar ‘Freunde’ beschweren, dass du so komisch geworden bist. Das ist ganz normal, wenn man neue Wege geht.

Wenn du Grenzen setzt, bist du Teil eines Weges in eine freundlichere Welt. Einer Welt des gegenseitigen Respekt, in der jedem Lebewesen auf diesem Planeten die Wertschätzung widerfährt, die ihm gebührt. Und du wirst spüren, dass du deinen Mitmenschen gegenüber liebevoller wirst, wenn du es wagst, für dich selbst einzutreten.

Welche Form des Selbstschutz praktizierst du? Welche Erfahrungen hast du damit gemacht? Wo gibt es Probleme? Ich freue mich über deine Rückmeldung!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Marie

PS: Die Grenze zu setzen erfordert ein Gefühl für sich selbst. Dazu mehr in der nächsten Woche.

Innere Stimme vs. Schwellentroll

Hörst du deine innere Stimme?Oder: Wie zeigt mir meine innere Stimme, was mir wirklich guttut?

Wenn dein Schwellentroll laut und fett und aufsässig ist, fällt es dir möglicherweise schwer, zwischen ihm und deiner inneren Stimme zu unterscheiden. Beide sind schließlich in deinem Inneren zu Hause und sprechen mit dir.

Doch während dein Schwellentroll dich kleinhalten will, kann dir die innere Stimme zu Freiheit und Wohlbefinden verhelfen – wenn du sie erkennst.

Die innere Stimme – was ist das?

Sie hat viele verschiedene Namen, die innere Stimme. Manche Menschen sprechen vom Unterbewussten, andere wiederum von einer inneren Führung oder Seele. Wieder andere erleben die innere Stimme als göttlichen Funken in ihrem Inneren.

Für jeden Menschen ist ein anderer Begriff hilfreich und ich möchte dich daher dazu einladen, deinen eigenen Begriff für die innere Stimme zu finden. Wichtig ist nur, dass die Stimme für dich den wichtigsten inneren Gegenspieler deines Schwellentrolls repräsentiert.

Deine innere Stimme ist die Instanz in dir, die dir absolut zuverlässig sagen kann, was dir guttut und was nicht. Sie möchte das Beste für dich, und zwar auf allen Ebenen deines Lebens. Sie achtete darauf, dass es dir innerlich wie äußerlich gutgeht.

Wie kann ich die innere Stimme wahrnehmen?

Deine innere Stimme kannst du entweder tatsächlich als Stimme hören oder als ein Gefühl erleben, das dich führt (Bauchgefühl). Die innere Stimme kann dir auch Bilder schicken, sich in deinen Träumen verwirklichen oder dafür sorgen, dass du in deinem Alltag auf bestimmte Menschen oder Situationen triffst.

Und hier beginnt das Problem.

Denn genau das tut der Schwellentroll auch.

Wie also kann ich die beiden unterscheiden?

Hör auf dein Gefühl.

Das wichtigste Kriterium für den Schwellentroll sind die negativen Emotionen, die er in deinem Inneren auslöst. Wenn du Schwere, Angst oder Spannung verspürst, bist du sicherlich dem Schwellentroll auf den Leim gegangen.

Die innere Stimme spricht wie eine wahre Freundin zu dir. Sie hat eine weiche, liebevolle Aura, die sie ganz klar vom Schwellentroll unterscheidet. Sie gibt dir das Gefühl, in dieser Welt willkommen zu sein, und zwar genauso wie du bist. Im Gegensatz zum Schwellentroll wird sie dich nicht ausschimpfen, sondern dir höchstens einen liebevollen Schubs in die richtige Richtung geben.

Was, wenn ich die innere Stimme einfach nicht wahrnehme?

Je mächtiger dein Schwellentroll ist, desto leiser ist deine innere Stimme. Wieso sollte sie sich auch anstrengen? Sie wird ja ohnehin nie nach ihrer Meinung gefragt.

Zum Glück ist die innere Stimme wie ein Muskel. Man kann sie wunderbar trainieren. Einzige Voraussetzung hierfür: Du musst dich bemühen, ihr zuzuhören. Je mehr du zuhörst, desto mächtiger wird sie und eines Tages wird sie es mit deinem Schwellentroll aufnehmen können.

Es ist hilfreich, nicht gleich als Erstes die Frage nach dem Sinn des Lebens zu stellen, sondern mit kleinen Dingen zu beginnen, etwa:

  • möchte ich heute wirklich Nudeln essen oder doch lieber Reis?

  • Möchte ich heute Abend wirklich mit meinen Freunden ausgehen oder doch lieber ein Buch lesen?

  • Was könnte ich jetzt gerade in diesem Moment dafür tun, dass es mir besser geht?

Vielleicht hört sich das für dich alles unbedeutend an, aber es ist tatsächlich so, dass schon bei den einfachen Dingen die Frage nach einem authentischen Leben beginnt. Und hierbei kannst du wunderbar für die ‘großen Fragen’ üben.

Ich habe nach meiner inneren Stimme gehandelt, doch nun bin ich verunsichert, weil ich trotzdem negative Gefühle erlebe. Habe ich etwas falsch gemacht?

Wenn du dich trotzdem nicht gut fühlst, obwohl du dachtest, deiner inneren Stimme gefolgt zu sein, kann das verschiedene Ursachen haben.

Nehmen wir zur Verdeutlichung folgendes Beispiel:

Du hast in deinem Unternehmen gute Arbeit geleistet und eines Tages wird dir eine gehobenere Position angeboten. Du befragst deine innere Stimme und sie sagt ja. Folglich nimmst du den Job an, doch noch vor Beginn oder während der ersten Arbeitswochen treten die typischen Schwellentroll-Symptome auf: Du fühlst dich unwohl, willst gar nicht so recht zur Arbeit gehen, bekommst vielleicht sogar Kreuz- oder Magenschmerzen.

Was ist geschehen?

Möglichkeit 1: Es war doch nicht die innere Stimme auf die du gehört hast.

Diese Möglichkeit ist unangenehm, denn sie bedeutet, dass dein Schwellentroll dich wieder einmal ausgetrickst hat. Das passiert sehr gerne bei Menschen, die Schwierigkeiten haben, sich abzugrenzen und folglich ihre eigenen Wünsche mit dem Verwechseln, was andere Menschen gerne hätten.

Wenn du Schmerzen hast, könnte es sich also lohnen, zu hinterfragen, ob du diese Arbeit wirklich aus ganzem Herzen gerne machst, oder ob der Schwellentroll sich eingeschlichen hat (‘eine solche Chance kann ich nicht einfach ablehnen’, ‘was sollten die Leute denken’, ‘etwas Besseres bekomme ich ohnehin nicht mehr, nicht in meinem Alter’ oder ‘meine Frau wäre total enttäuscht, wenn ich den Posten nicht annehme’.)

Hier hilft letztendlich nur die radikale Ehrlichkeit mit sich selbst.

Möglichkeit 2: Dein Schwellentroll rebelliert, weil er sich bedroht fühlt.

Wenn du Möglichkeit 1 ausgeschlossen hast, ist es sehr wahrscheinlich, dass du den richtigen Weg gewählt hast. Trotzdem können Schmerzen und Unwohlsein auftreten. Woran liegts? Ganz einfach, deinem Schwellentroll schwimmen die Felle davon und er versucht, zu retten, was zu retten ist.

Für unser Beispiel könnte es bedeuten, dass du deine neue Position wirklich liebst, aber mit neuen Tätigkeiten (Vorträge, Auslandsaufenthalte etc.) konfrontiert wirst, bei denen du dich noch sehr unsicher fühlst. Dein Schwellentroll wittert, dass es für ihn gefährlich wäre, dich diese Schwelle überschreiten zu lassen und deshalb versperrt er dir den Weg und malt dir Horrorszenarien aus, was alles passieren könnte.

In diesem Fall hilft nur eines: Einen Schritt nach dem anderen gehen und den Schmerz eine Weile einfach aushalten. Versuche dabei aber, dich nicht in der Schmerz hineinzusteigern oder dich dagegen zu wehren, denn dies kostet nur zusätzliche Energie. Nimm die unguten Gefühle einfach wahr, ohne etwas daran ‘machen’ zu wollen.

Wichtig hierbei: Wenn du die Tätigkeit wirklich liebst und wie geschaffen dafür bist, sollten diese negativen Gefühle nach einer Weile verschwinden.

Mein Vorschlag: Setzt dich am Ende jeder Woche hin und schreibe auf, wie es dir ergangen ist. Wäge hierdurch immer wieder ab, ob es dir besser oder schlechter geht als zuvor. Wenn du nach mehreren Monaten immer noch keine Verbesserung siehst, solltest du die erste Möglichkeit nochmal in Erwägung ziehen.

Falls du dir noch immer unsicher bist, ob du wirklich deiner inneren Stimme folgst, solltest du dir professionelle Unterstützung, beispielsweise in Form eines Coachings, gönnen.

Kannst du Schwellentroll und innere Stimme auseinanderhalten? Was hat dir dabei besonders geholfen? Welche Tipps und Tricks wendest du an? Ich freue mich auf deinen Kommentar!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie