Mein Weg – wie ich dem Schwellentroll begegnete

Mein WegDieser Artikel ist ein schonungsloser persönlicher Rückblick auf meine Reise zum eigenen Buch. Ich schreibe ihn, damit du erfährst, wer hier schreibt und was mich antreibt.

Vor allem schreibe ich diesen Artikel aber für dich: Ich möchte dir Hoffnung geben, dass es für dich einen Weg zum eigenen Roman gibt. Und ich möchte dir zeigen, dass das Klischee vom Autor, der quasi vom Himmel fällt und nie die geringsten Selbstzweifel hat, genau das ist: Ein Klischee, das nichts mit diesem bunten, verrückten, schmerzhaften und doch liebevollen Leben zu tun hat. :-)

Am Anfang…

Mein Weg beginnt mit einem kleinen Mädchen, das Erzählungen über alles liebte, noch bevor sie in die Schule kam. Sie schrieb ihre ersten Geschichten, sobald sie das ABC beherrschte. Und beschloss mit gerade mal acht Jahren, Autorin zu werden (vorher war Piratenkapitänin interessanter ;-))

Dieses Mädchen, das die Karriere zur Piratenkapitänin nie ganz an den Nagel gehängt hat, bin ich. :-)

Der Schwellentroll kreuzt auf

Alles lief perfekt, bis ich eines Tages einem großen roten Troll begegnete, der mir sagte, dass ich nicht einfach Autorin werden könnte.

Der Schwellentroll, wie ich ihn nannte, war ziemlich gemein zu mir. Er sagte mir, dass ich nicht gut genug wäre, um ‘richtig’ zu schreiben. Dass ich nichts zu sagen hätte und langweilig sei. Und dass es schlimm enden würde, sollte ich trotzdem versuchen, diesen Weg zu gehen.

Ich kann dir gar nicht sagen, wann der Troll genau aufgetaucht ist. Er hat sich vorsichtig in mein Leben geschlichen und stand plötzlich in der Ecke. Unentbehrlich und unbeweglich wie ein Bett oder ein Stuhl. Nur dass er leider nicht genauso stumm war…

Nichts als Probleme mit dem Troll

Der Troll war sehr bestrebt, mich von jedem Erfolg im Schreiben fernzuhalten. Er schickte mir Menschen, die meine Schreibambitionen verspotteten oder einfach ignorierten. Er flüsterte mir ein, dass ich niemals so gut sein würde wie andere Autoren und dass ich außerdem dem Stress und der Herausforderung einer solchen Profession einfach nicht gewachsen sei.

Und da ich nun mal sehr sensibel bin, glaubte ich dem Troll. Ich WAR häufig schwächer als andere Menschen. Ich wurde schneller müde und machte mir viel zu viele Gedanken. Ich konnte mich schlecht abgrenzen und fühlte mich oft fremd in dieser ruppigen Welt. Außerdem war ich sehr selbstkritisch und sah die Schwachstellen meiner eigenen Texte nur zu deutlich. Und da ich damals keine Ahnung davon hatte, dass große Sensibilität und die Fähigkeit zur Selbstkritik großartige Gaben sind fühlte ich mich eher wie das misslungene Experiment eines ziemlich experimentierfreudigen Schöpfers. ;-)

War das alles, was ich konnte? Na dann war es wohl besser, die Sache auf sich beruhen zu lassen.

Mein Weg zwischen Sehnsucht und Zweifel

Aber warum war da diese Sehnsucht in meinem Herzen, die so schrecklich brannte?

Ich schwankte jahrelang zwischen den Extremen. Schreiben bis die Finger bluteten, dann wieder bodenlose Selbstzweifel und eine lange Pause. Dann schrieb ich wieder, in dem Wissen, dass die nächste Krise nicht lange auf sich warten lassen würde.

Und immer wieder die eine Frage: Was ist falsch an mir?

Ich las, dass Berufung gleichbedeutend mit Leichtigkeit und Freude sei und wunderte mich, dass bei mir alles anders war. Hörte Menschen zu, die mir erzählten, das Leben sei nun mal hart und unfair und ich solle mich daran gewöhnen, dass es nach der Schule nur noch bergab gehe. Ich versuchte, das Schreiben zu vergessen und wurde unglücklich.

Was blieb, war tiefe Verwirrung.

Wie kann es sein, fragte ich mich, dass ich etwas so sehr liebe und es mir trotzdem schwerfällt? Ist das ein grausamer Witz des Lebens? Und vor allem: Wenn ich nicht zum Schreiben berufen bin, was bleibt dann noch? Wie kann mein Weg aussehen, wenn ich meinen größten Traum aufgebe?

Natürlich hat es sowieso nicht geklappt. Ich konnte meinen Traum vom Schreiben nicht aufgeben. Vermutlich einfach deswegen, weil ich eine verstockte Persönlichkeit bin, die die Frechheit hat, an ihre Träume zu glauben. ;-)

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Autorenschulen und andere Irrwege

Nach der Schule beschloss ich erneut, Autorin zu werden. Doch mittlerweile hatte ich viele Jahre in Gesellschaft des Schwellentrolls verbracht und fürchtete mich ziemlich. Trotzdem informierte ich mich über eine mögliche Aufnahme in eine Autorenschule.

Was ich in diesem Kontext erlebte, erschreckte und verunsicherte mich zutiefst. Die Schreibschulen wirkten mechanisch und von Konkurrenzdruck zerfressen und hatten nicht einen Funken von der Magie, die ich im Schreiben suchte. Ich spürte intuitiv sofort, dass ich den Spaß am Schreiben endgültig verlieren würde, wenn ich mich darauf einließ.

Und wieder fühlte ich mich fehl am Platz. Unpassend. Eine Fehlkonstruktion.

Ich meine, welcher gehirnverbrannte Schöpfer lässt zu, dass jemand fürs Schreiben brennt und sagt gleichzeitig ‘Ätsch, aber du kannst das nicht’??!

Ich begann stattdessen Germanistik und Geschichte zu studieren und suchte parallel dazu den Kontakt zur Welt der Autoren. Das Ergebnis war ernüchternd: Ablehnung, Missgunst und Konkurrenzdenken. Und ab und zu ein paar mitleidige Blicke.

Ich wollte aber kein Mitleid. Ich wollte das verdammte Leben, zu dem ich geboren war.

Dunkle Jahre

Verwirrt, verletzt und desillusioniert begann ich mich mit meinem Perfektionismus im Studium abzulenken. Ich litt unter depressiven Verstimmungen, Workoholismus und landete schließlich mit 22 im Burnout. Endstation bodenloses Loch.

Einer der Ärzte erkannte, wie es mir wirklich ging. Dass ich nicht einfach nur ein bisschen zu viel gearbeitet hatte. Irgendwie sah er, wie verloren und verzweifelt ich war, obwohl ich mittlerweile gelernt hatte, eine Maske zu tragen, die meine Abgründe vor anderen Menschen verbarg. Er sagte mir, dass ich meinen 30sten Geburtstag nicht erleben würde, wenn ich so weitermachte.

Bähm! Das saß!

Irgendwie hatte ich mich immer mit dem Gedanken getröstet, dass ich nur durchhalten musste und es dann irgendwann besser werden würde. Aber das stimmte nicht. Ich war verloren, weil ich nicht zu meiner Bestimmung stand und meine Seele an meinem eigenen halbherzigen Leben verblutete.

Ich musste zurück zum Schreiben, Schwellentroll hin oder her!

Mein Versuch, mich anzupassen und zu funktionieren, würde mich umbringen, so viel war klar. Ich kann heute nicht mehr sagen, ob ich anders bin als die Menschen, die sich jahrenlang in sinnlosen Karrieren quälen. Es ist mir auch egal. Viel wichtiger ist mir, zu wissen, dass es viele Menschen wie mich gibt, mit den gleichen Hürden und Zweifeln, den gleichen Gaben. Hochempathische Menschen, die es magisch zum Schreiben zieht und die doch häufig an ihren Selbstzweifeln scheitern.

Mein Burnout stellte die Weichen für Veränderung. Ich hatte immer noch Selbstzweifel und Angst, aber eines wusste ich ganz genau: Ich würde alles tun, um nie wieder in diesem bodenlosen Schacht eines Burnouts zu versinken.

Die Suche

Was dann folgte, war lässt sich am Besten mit ‘durchwachsene Aufbruchstimmung’ beschreiben. ;-)

Ich beschäftigte mich intensiv mit mir, meiner Bestimmung, aber auch mit meinen Wünschen und Bedürfnissen.  Ich probierte sehr viel aus, machte Fortbildungen, las Bücher, entwickelte eigene Ideen. (Mein Partner war irgendwann ziemlich genervt davon, dass ich jede Woche eine neue bahnbrechende Entdeckung machte… Hochsensibilität, Scannerpersönlichkeit und viiieles mehr ;-))

Und meine Selbstzweifel?

Mal erwischte mich der Schwellentroll ziemlich heftig, mal ließen mich seine Einwände kalt. Es war ein ständiges Auf und Ab, das noch schlimmer wurde, als ich wieder mit dem Schreiben anfing. Es war am Anfang wirklich schwierig. Ich fühlte mich wie ein zerbrechliches Rädchen in einer riesigen rostigen Maschinerie, das von tausend anderen Teilen an seinem Platz gehalten wurde und keine Chance hatte, zu entkommen. Doch ich wusste auch, dass Aufgeben keine Option war.

Ich lernte, mich selbst so zu akzepieren wie ich bin und sogar die eine oder andere Stärke zu erkennen. Das Leben wurde trotz aller Anlaufschwierigkeiten mit jedem Tag schöner und sinnerfüllter. Ich fand einen Weg, mein Schreiben in Fluss zu bringen und zugleich meine Schreibziele zu erreichen. Und der Schwellentroll wurde vom finsteren Monster zu einem Weggefährten, der die Ehre hatte, mir regelmäßig meine Schwachstellen aufzuzeigen.

Der letzte Rückschlag

Bislang hatte ich viel geschrieben, aber über Blogbeiträge, Sachbücher und -artikel hinaus noch nichts veröffentlicht. 2016 wollte ich endlich einen Schritt weitergehen: Ich wollte einen Roman von der ersten Idee bis zur Veröffentlichung bringen.

Ich wusste, dass ich im Verhältnis zu anderen Autoren recht spät dran war. Im Grunde hätte ich schon Jahre vorher mit der Veröffentlichung beginnen können, doch es war mir wichtig, erst meinen Stil und meine persönliche Schreibberufung zu finden. Es entspricht nicht meiner Persönlichkeit, etwas Halbgares auf den Markt zu werfen. ;-)

Gesagt, getan: Ich packte also meinen Schwellentroll am Kragen und sagte ihm, dass er mich um nichts in der Welt davon abhalten würde, 2016 meinen ersten Roman zu veröffentlichen.

Und dann brach die Hölle über mich herein. Jobchaos, Probleme mit meinem Pferd, schwere Schicksalsschläge – ich hatte den Eindruck, dass mein Schwellentroll sehr gründlich in der Enzyklopädie der größten Katastrophen nachgeschlagen hatte, um mir meinen Roman zu verleiden. ;-)

Doch dieses Mal war ich hartnäckiger. Natürlich gab es Phasen, in denen ich einfach nicht zum Schreiben kam, weil absoluter Ausnahmezustand herrschte. Aber ich fing immer wieder an. Und konnte im Dezember das Buch tatsächlich veröffentlichen (Puuh gerade noch so ;-)).

Und heute?

Ich kann dir gar nicht sagen, wie sehr sich mein Leben in den letzten zehn Jahren verändert hat. Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, als ich es nicht einmal schaffte, einem Passanten auf der Straße in die Augen zu sehen – weil ich mich viel zu klein und nutzlos fühlte.

Heute brauche ich zwar immer noch stille Zeiten, aber ich liiebe es einfach, mit Menschen zu tun zu haben. :-)

Früher musste ich mir jede Zeile mühsam abringen, wenn ich schreiben wollte. Und danach war ich nicht mal zufrieden.

Heute kann ich jederzeit schreiben und besitze außerdem die Fähigkeit, meine Schreibzeit konsequent gegen äußere Einflüsse zu verteidigen.

Früher fühlte ich mich allem Möglichen ausgeliefert – meinem Umfeld, den Umständen, dem Schicksal und sogar dem Schwellentroll.

Heute weiß ich, dass sooo viel mehr möglich ist, als uns bewusst ist. Und ich weiß, dass jeder Mensch, der eine wirklich tiefe Sehnsucht danach verspürt, zu schreiben, dies auch kann – wenn er bereit ist, sich dem einen oder anderen Troll zu stellen. ;-)

Was ist mit dir?

Wo verleugnest du deine tiefsten Sehnsüchte noch?

Welche Hürden auf dem Weg zum kreativen Schreiben willst du dieses Jahr endgültig überwinden?

Welcher Roman will von dir geschrieben werden?

In den Kommentaren findest du die Möglichkeit, über deinen eigenen Weg zu schreiben. Oder auch über das, was dich bis jetzt davon abgehalten hat, loszugehen.

 Übrigens, eine andere Fassung meiner Geschichte findest du auf meiner ‘Über mich-Seite’ ;-)

Wenn du dieses Jahr zu deinem Roman-Jahr machen willst und noch nicht so recht weißt, wie du es angehen sollst, melde dich doch als Kickstart zu meiner ‘Fit für deinen ersten Roman-Challenge’ an. Die Teilnahme ist kostenlos.

Mein Wunsch an dich:

Geh deinen Weg, schreib deinen Roman – und lass die anderen reden! :-)

Alles Liebe,

deine Marie

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