Mein Aha-Erlebnis – oder warum Gott mich mal auslachte

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade ‘Dein Aha-Erlebnis: Und die Erkenntnis daraus’ von David von http://wp-coach-caddy.de/ Schau doch mal vorbei.

Ich bin so der Macher-Typ. Boshafte Stimmen behaupten immer mal, dass ich eigentlich ein Mann bin und Gott sich nur in gewissen Äußerlichkeiten geirrt hat… ob das so ist? Keine Ahnung, aber Gott hat ja bekanntlicherweise viel Humor.

Ich bin die Art Mensch, die ohne To Do Liste nicht mal aufs Klo gehen kann. Ich liebe es, Dinge abzuhaken. Zu strukturieren. Für jede Gemütslage den richtigen Plan in der Tasche zu haben.

Ich kann 11,5 Projekte gleichzeitig verfolgen, ohne den Überblick zu verlieren. Ich habe sogar meinen Spaß dabei.

Und vor allem liebe ich es, wenn alles genau so läuft, wie ich es gerne hätte.

Aha-Erlebnis

Wahrscheinlich fragst du dich gerade, was dieser Artikel soll. Ich wollte doch über mein Aha-Erlebnis schreiben und nicht über meine pseudo-männlichen Komplexe – oder?

Geduld, junger Padawan, wir kommen gleich zur Sache. Dieser Artikel hat seine Schnörkel, die aufgeschrieben werden wollen und das hat – du wirst es nicht glauben – tatsächlich etwas mit meinem Thema zu tun.

Wir waren bei meinen recht logischen Charaktereigenschaften. Logisch denken, strukturieren, Dinge umsetzen – das sind doch zunächst positive Eigenschaften, oder nicht? Natürlich hat die Sache einen Haken, denn nur über positive Dinge zu schreiben, ist irgendwie langweilig.

Meine stolze, männlich-rigide Seite hat nämlich ein paar Gegenspieler, die ihr das Leben schwer machen.

Die Gegenspieler

Da gibt es dieses unvernünftige Künstlerkind in mir, das einfach nur spielen möchte. Die beiden versetzen sich regelmäßig gegenseitig in helle Aufregung. Entweder versucht meine logische Seite mein Künstlerkind in eine Konzept-Zwangsjacke zu stecken. Das hat meist zur Folge, dass mein Künstlerkind aufjault, mürrisch wird – und ich selbst unter Unproduktivität leide.

Oder aber mein verrückter Künstler übernimmt die Führung. Dann beginnt meine logische Seite damit, nervös im Kreis zu laufen. Denn mein Künstler ist zwar produktiv, übersieht aber gerne Sachen, die er nicht gerne macht. Und Projekte beginnen in alle Richtungen zu wuchern…

Allerdings gibt es da noch einen anderen Gegenspieler meiner logischen Gehirnhälfte, der an Boshaftigkeit nicht zu überbieten ist. Dagegen ist mein Künstlerkind ein zu verschmerzendes Ärgernis. Dieser Gegenspieler nennt sich ‘Leben’.

Das Leben ist ziemlich gemein zu meinem logischen Anteil. Es wirft sorgfältig erstellte Pläne über den Haufen, und das ganz ohne ersichtlichen Grund. Das Leben lässt Menschen aufmarschieren, die sich nicht an Versprechungen halten oder mit meiner Zeit Boule spielen. Das Leben sorgt dafür, dass Menschen, die sich doch ganz klar zu meinem Newsletter eintragen sollten, es trotzdem nicht tun. Es zerschlägt Marketingpläne, Träume und manchmal sogar die Hoffnung, die noch übrig ist.

Warum hört denn niemand auf mich?

Jahrelang führte ich eine sehr konservative Ehe mit meiner logischen Gehirnhälfte. Sie gab mir die Illusion, alles unter Kontrolle zu haben. Und ganz ehrlich: Ich mag das Gefühl der Sicherheit, welches man durch Kontrolle erhält.

Deswegen hatte ich natürlich ein Problem mit den Gegenspielern dieses vernünftigen Geschäftspartners. Das Künstlerkind war zwar flippig, aber noch auszuhalten, weil es sich im Zweifelsfall meiner Kontrolle beugte – wenn auch um den Preis der guten Laune.

Mein wahrer Feind war das Leben. Denn so sehr ich mich auch anstrengte, hier wollte das mit der Kontrolle einfach nicht klappen. Immer wieder geschahen Dinge, die ich nicht geplant hatte. Dinge, die mir so sehr nicht in den Kram passte, dass ich Gott am Liebsten am Kragen gepackt und ordentlich geschüttelt hätte.

Ich meine, was bildete der sich ein, einfach in meinem Leben rumzupfuschen?

Wo ich doch alles so sorgfältig geplant hatte?

Mein Aha-Erlebnis

Mein Aha-Erlebnis begann mit dem unguten Gefühl, dass mich jemand gerade auslachte. Nicht bösartig, sondern eher so, wie man über ein Haustier schmunzelt, dass noch nicht gemerkt hat, dass sein Futternapf gefüllt wurde.

Geärgert hat es mich natürlich trotzdem. Wer lachte da über mich? Und was bildete sich dieser jemand eigentlich ein? Ich war doch schließlich eine ernsthafte und bemühte Persönlichkeit!

Und trotzdem, das Lachen wurde ansteckend. Irgendwie begriff ich, dass das gerade meine persönliche höhere Macht war, die über mich schmunzelte.

Ich lachte mit und lernte augenblicklich, mich selbst nicht mehr so ernst zu nehmen.

Und plötzlich jagte ein Aha-Erlebnis das andere.

Ich lernte, dass es manchmal hilfreich ist, sich von außen zu betrachten und ein ganz klein wenig zu schmunzeln.

Ich lernte, dass es nicht um die harte Arbeit geht oder darum, wie sehr wir leiden, sondern darum, wie wir uns einbringen und was wir bewirken.

Und das Wichtigste: Ich lernte, dass es eine tiefe Weisheit im Leben gibt, die sehr viel mächtiger ist als das, was ich mir mit meinem beschränkten Gehirn zusammen fantasieren konnte. Aus Dingen, die mies gelaufen waren, wurden Dinge, die zu meinem eigenen besten anders gelaufen waren als geplant. Aus Fehlern wurden echte Lernchancen.

Ich lernte, dass das Schiff namens Leben nicht untergeht, wenn ICH mal nicht am Steuer stehe. :-)

Und nun? Mein Wunsch, beim Universum genau das zu bestellen, was ich unbedingt haben möchte, hat sich gelegt. Ich habe den dringenden Verdacht, dass diese höhere Macht da oben (ganz gleich ob sie einen Rauschebart hat oder nicht) evtl besser weiß, was ich wirklich brauche, als ich das aus meiner Froschperspektive beurteilen kann.

Ich übe mich in Vertrauen.

Das mit dem Vertrauen ist und bleibt eine harte Nuss für mich. Ich werde auch weiterhin meine kleinen und großen Schreikrämpfe bekommen, wenn etwas nicht so läuft, wie ich es mir vorgestellt habe. Ich werde fluchen und Herrgott und Universum mit allen möglichen Schimpfnamen belegen.

Ich bin mir sicher, die kommen damit klar. ;-)

Und wenn ich mich dann ausgetobt habe, erinnert mich der schmunzelnde Gott daran, das Leben so zu nehmen, wie es ist: Als prall gefüllte Box voller interessanter Erlebnisse, die wirklich langweilig wären, wenn ich bereits wüsste, wie sie ausgehen.

Es bleibt spannend :-)

Was ist dein spezielles Aha-Erlebnis? Möchtest du es als Kommentar mitteilen? Ich freue mich drauf :-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie