Künstler-Interview: Barbara Drucker

Wie wird man eigentlich Schriftstellerin?

Heute habe ich die Ehre, Autorin und Schreibcoach Barbara Drucker im Interview begrüßen zu dürfen. Natürlich habe ich ihr einige Fragen speziell zum Schreiben gestellt und ihr dürft gespannt auf die Antworten sein. :-)

Barbara Drucker
© Fotostudio Floyd

Barbara, du bist Schriftstellerin. Wie hast du zur Schriftstellerei gefunden?

Ich würde dir ja gerne von irgendeinem Erweckungserlebnis berichten, aber so spektakulär war es nicht. Ich habe mir immer schon gerne Geschichten ausgedacht und beim Theaterspielen auf Jungschar-Lagern war ich auf zwei Rollen abonniert: auf den Bösewicht und den Bühnenautor. Rückblickend kann ich wohl sagen, damals, mit etwa zehn Jahren, hat meine Karriere begonnen ;-)

Zum professionellen Schreiben fand ich erst relativ spät. Als Literaturwissenschaftlerin publizierte ich zwar Fachartikel und meine Dissertation, fiktionale Texte schrieb ich aber nur zum Vergnügen. Das änderte sich, als ich mir mit Essays und Bühnenrezensionen für das Magazin Karl May & Co., einen Namen machte. Dadurch wurde ein Fanfiction-Verlag auf mich aufmerksam und lud mich ein, für eine Anthologie einen Text beizusteuern.

Insgesamt erschienen drei Winnetou-Geschichten von mir, zwei davon schrieb ich mit meiner Co-Autorin. Damals leckte ich Blut und machte die Ausbildung zur Schreibpädagogin, im Rahmen der Ausbildung entstanden die ersten Skizzen für Das Gift der Schlange und ab da war ich für die Wissenschaft ruiniert ;-)

Barbara Drucker
© Lisa Keskin

Mit welchen Blockaden hattest du vor und während der Erstellung deines ersten Romans zu kämpfen? Wie hast du sie gelöst?

Mit dem Schreiben an sich hatte ich nie Probleme. Ich arbeitete damals noch Vollzeit, kam nach Hause, drehte den Computer auf und schrieb, bis mir die Augen zufielen. Unter der Woche waren das vier bis sechs Stunden, am Wochenende acht bis zwölf. In jeder freien Minute tippte ich wie eine Besessene :-)

Eine meiner Stärken ist es, Chancen zu erkennen, insofern fällt bei mir die Entscheidung etwas zu schreiben sehr schnell. Ob ich an der Fanfiction-Anthologie mitmache, kostete mich gerade mal eine Viertelstunde Überlegung. Die Entscheidung selbst fiel bereits in der ersten Minute, der Rest war Koketterie ;-)

Schwieriger war die Frage, ob ich mit meinem Namen dafür einstehen will. Ich fürchtete um meinen Ruf, denn ich hatte mir immerhin in einem “seriösen” Job eine Karriere aufgebaut und arbeitete ja auch noch parallel an einer akademischen Laufbahn. Hier half mir die Möglichkeit, unter Pseudonym veröffentlichen zu können. Letztendlich publizierte ich doch unter meinem Klarnamen und habe es nie bereut. Heute nenne ich mich mit Stolz Autorin.

Kennst du den Schwellentroll? Was tust du, damit er dich nicht vom Schreiben abhält?

Mitten im kreativen Prozess kauert der Schwellentroll frustriert in seinem Eck und weint, weil er keine Chance gegen mich hat. Bin ich einmal im Flow, bremst mich nichts ;-)

Gefährlich wurde der Schwellentroll erst, als ich mich selbstständig machte, denn jetzt muss ich auch regelmäßig meine Blogbeiträge schreiben, Strategiearbeit machen, Marketing, Online-Kurse konzipieren und so weiter. Ein Patentrezept habe ich noch nicht gefunden, weil mir ja beides Spaß macht und beides kreativ ist. Ich achte darauf, jeden Tag zumindest etwas am Roman zu erledigen. Das kann Plotten sein, eine Figur ausarbeiten oder eine Szene schreiben. Auch Überarbeiten zähle ich dazu.

Barbara Drucker
© Alexander Salomon – Capture the Moment

Was bedeutet dir das Schreiben?

Ich kann mir ein Leben ohne Schreiben nicht vorstellen, sagt das genug? Im Schreiben denke ich (deshalb habe ich auch sehr oft einen Stift in der Hand oder einen Computer vor mir). Im Schreiben bewältige ich Probleme und probiere alternative Sichtweisen aus.

In Das Gift der Schlange etwa spielte ich durch, Vernunft und Gefühl gleichrangig zu verbinden, was damals keineswegs selbstverständlich für mich war. Der Marchese tritt sehr selbstsicher und rational auf, sein Temperament macht ihm aber immer wieder einen Strich durch die Rechnung, bis er lernt, auch seine emotionale Seite zuzulassen. Das hat durchaus einen autobiografischen Aspekt ;-)

Und in der Figur der Gräfin arbeitete ich an meinem eigenen Verhältnis zu Männern, das nach einer gescheiterten Ehe nicht das allerbeste war. Schreiben ist also bis zu einem gewissen Grad auch Psychohygiene, trotzdem sollte man nie vergessen, dass der Leser nicht der Therapeut des Autors ist. Es geht nicht um mich, sondern um eine gute Geschichte, die den Leser unterhält.

Das Schönste am Schreiben ist, dass ich mir meine eigene Welt gestalten kann. Meine Romanwelten sind keineswegs unproblematisch, in ihnen gibt es Intrigen und Verrat, Gewalt, aber eben auch Liebe, Größe und Charisma. Ich liebe Spannung, mag Extreme und gehe gerne aufs Ganze, und im Roman kann ich Grenzen ausloten, vor denen ich in der Realität zurückschrecken würde. Bei all dem sind aber zwei Punkte für mich nicht verhandelbar: Ästhetik und Niveau.

Was sollte jemand beachten, der Schriftsteller werden will?

Gleich einmal vorweg: Schreiben darf ein Hobby bleiben, für mich ist es das schönste Hobby der Welt! Aber in dem Moment, in dem du veröffentlichst, gelten andere Regeln. Nicht alles, was sich reimt, ist ein Gedicht, und nicht jeder Rohtext sollte auf Facebook gepostet werden.

Du brauchst Talent, realistische Selbsteinschätzung, ehrliche und harte Kritiker und einen langen Atem. Und Disziplin! Ohne den unabdingbaren Willen, regelmäßig zu schreiben, dich ständig zu verbessern und weiterzubilden, und ohne die allerhöchsten Ansprüche an dich selbst wird das nichts. Kein Profisportler käme auf die Idee, nur dann zu trainieren, wenn er gerade Lust hat, und genauso ist es beim Schriftsteller.

Für mich zeigt sich der Schriftsteller nicht darin, ob er hauptberuflich vom Schreiben leben kann, sondern ob er das Mindset eines Profis hat. In dem Moment, in dem du dich Schriftsteller nennen willst, solltest du wie ein Profi denken. Also kein Jammern über dumme, unreife Leser, uneinsichtige Verlage, verständnislose Kritiker oder nervige Lektoren, sondern Lösungen suchen. Und deine Texte nimmst du mit in den Schlaf und wachst mit ihnen auf. Schreiben ist kein 9-to-5-Job, Schreiben fordert rund um die Uhr die ganze Person!

Barbara Drucker
© Alexander Salomon – Capture the Moment

Was würdest du beginnenden Schriftstellern gerne als Ermutigung mit auf den Weg geben?

  • Wenn eine Geschichte aus dir heraus will, lass dich durch nichts und niemanden davon abhalten, sie zu erzählen. Jeder hat Schattenseiten, die zu verleugnen ist sinnlos.

  • Schreiben kann und sollte man lernen, auch die wirklich Großen hatten Lehrer und Mentoren. Besuche Kurse, online oder offline. Und zieh dir nicht nur Theorie rein, vergiss nicht, selbst zu schreiben!

  • Nicht jeden Text kannst oder solltest du veröffentlichen, du wirst viele Übungstexte schreiben und auch viel Mist. Aber mit jedem Text wirst du besser.

  • Gönne dir ab und zu einen Text, den du nur für dich schreibst. Ohne Veröffentlichungsabsicht, einfach aus Spaß und zur Entspannung. Ein Projekt kannst du daraus immer noch machen.

  • Schreibe die Geschichte, die du selbst gerne lesen würdest, nicht die, die der Markt verlangt. Das Wichtigste ist nicht die Veröffentlichung. Das Wichtigste ist das Schreiben selbst, die Freude und die Lust am Schreiben!

Barbara Drucker
© Fotostudio Floyd

Barbara Drucker schreibt spannende Abenteuerliteratur und Thriller in historischem Setting, historische und Urban Fantasy. Auf Aventiure – Das Abenteuer Schreiben zeigt sie Autoren, wie auch sie ihre Romane zu Pageturnern machen, die Leser verschlingen.

www.aventiure.at

Schau doch mal vorbei, wenn du auf der Suche nach Schreibtipps für deinen eigenen Roman bist! Es lohnt sich. :-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie