Kann man Gott einfach Weg-Denken? – Ein kritischer Beitrag zum Thema Mindset

Hallo Schwellentroll-Jäger!

Heute spiele ich mal den Schwellentroll. Und schreibe einen Beitrag, der viele vor den Kopf stoßen wird.

Ich habe da so ein kleines Denk-Problem, dass ich dir vorstellen möchte.

Vielleicht kannst du mich ja in den Kommentaren eines Besseren belehren. In jeden Fall aber freue ich mich auf eine rege Diskussion.

Kennst du folgende Schlussfolgerung?

Unsere Gedanken beeinflussen die Welt. Und zwar direkt

Unsere Gedanken über uns.

Unsere Gedanken über die Welt.

Wenn du auch andere Blogs liest, weißt du sicherlich, dass sich dieses Gedankengut in der ‘Persönlichkeits-Entwicklungs-Szene’ fest etabliert hat.

Wir haben die Macht. Unsere Gedanken beeinflussen unser Leben. Sie beeinflussen, welche Partner wir finden, ob wir gesund oder krank sind und ob wir Geld auf dem Konto haben.

Ich will ehrlich sein:

Irgendetwas an dieser Vorstellung liegt mir quer.

Und deswegen gibt es heute ein paar kritische Gedanken von mir zu diesem Thema:Mindset

Fangen wir mit Gott an, das ist immer ein guter Anfang

Sagen wir einmal, es gäbe Gott. Hört er dann auf, zu existieren, wenn ich mein Mindset update?

Scheint die Sonne nicht mehr, wenn ich den Glaubenssatz bearbeite, dass es eine Sonne gibt?

Und wie ist das mit den Menschen? Sagen wir, ich gehe aus den Haus mit der Vorstellung, dass mir an diesem Tag etwas Schönes passiert. Meine Nachbarin tritt zur gleichen Zeit aus der Tür, mit der Vision vor Augen, dass ihr gleich ein Unglück widerfährt. Bedeutet das dann, dass sie vor meinen Augen überfahren wird und ich mich ganz schrecklich darüber freue?

Bist du dir wirklich sicher, dass die IS dich nicht köpfen würde, wenn du glaubst, dass es sich um gute Menschen handelt, die keiner Fliege etwas zuleide tun? Also ich würde es lieber nicht riskieren ;-)

Mir ist übrigens völlig klar, dass diese Beispiele kolossal überspitzt sind. Was sie zeigen sollten: Wenn wir alles, was passiert, nur auf unsere Gedanken zurückführen, picken wir uns EINEN Aspekt, der das Leben beeinflusst, selektiv heraus (und noch zudem einen extrem Ego-zentrierten Aspekt) und tun so, als würde der Rest einfach nicht existieren.

Und das baut ordentlich Druck auf, wo eigentlich keiner sein müsste:

Vorsicht, auch hier lauert der Schwellentroll!

Was, wenn du einfach nicht glauben kannst, kreativ genug zu sein?

Dein Schwellentroll wird diese Mindset-Geschichte sofort ausnutzen, um dir noch mehr Leid zuzufügen.

Er wird sagen:

„Du kannst erst dann kreativ sein, wenn du den Glaubenssatz loswirst, dass du nicht kreativ bist.“

Tja, und schon steckst du ganz schön im Schlamassel…

Die Sache mit der Schuld

Wenn du von dieser Theorie überzeugt bist, wirst du mir wahrscheinlich antworten, dass man für etwas VERANTWORTLICH sein kann, ohne zugleich SCHULD daran zu sein.

Soweit die Theorie.

Und wie viele Menschen können das voneinander trennen?

Sei ehrlich: Kannst DU das trennen?

Wahrscheinlich hast du wie fast alle Menschen Angst davor, krank zu werden. Dahin zu siechen. Vielleicht denkst du sogar manchmal daran, du könntest Krebs bekommen.

Schaffst du es (ernsthaft) nie wieder Angst vor so etwas zu haben?

Stell dir vor, du wirst wirklich krank. Kannst du die Verantwortung für diese Krankheit übernehmen ohne dich zugleich schuldig zu fühlen für deine Gedanken? (die ja laut dieser Theorie erst zu deiner Krankheit geführt haben)

Dieser Verantwortung kann zu groß sein, schließlich sind wir nur Menschen (jaa, ich weiß, auch das ist umstritten…;-))

Nehmen wir folgendes Beispiel:

Ein Kind, geboren in einer gewalttätigen Alkoholikerfamilie. Seine ganze Kindheit über gedemütigt, geschlagen, missbraucht. Dieses Kind wird sich selbst die Schuld geben. Es wird davon ausgehen, dass an ihm etwas falsch ist. Dass seine Seele so grundfalsch und beschmutzt ist, dass niemand auf der ganzen Welt es davon heilen kann.

Wie willst du diesem Kind sagen, es soll sein Mindset ändern? Wo es doch davon überzeugt ist, dass mit seiner tiefsten, unveränderlichen Essenz etwas nicht stimmt?

Es gibt einfach Gedanken, die ändert man nicht so leicht. Jedenfalls nicht bevor man nicht mehrfach positive Erfahrungen gemacht hat, die von den vorherigen abweichen.

Das ist meine Erfahrung – vielleicht ist deine ja ganz anders?

Also

Fang an, auch wenn du Angst hast.

Fang an, auch wenn du nicht weißt, ob du es verdient hast, erfolgreich zu sein.

Du musst deine Gedanken nicht ändern, BEVOR du losgehst – es passiert ganz automatisch, wenn du den Mut findest, deinen eigenen Weg zu gehen.

Ich biete dir in diesem Artikel keine Lösung für das Mindset-Dilemma an. Und auch wenn sich das vielleicht so angehört hat, bin ich kein grundsätzlicher Feind der Vorstellung, dass die Gedanken, die wir denken, etwas mit uns machen.

Ich möchte nur dazu anregen, darüber nachzudenken, ob die Welt nicht doch manchmal etwas komplexer ist, als wir sie gerne hätten.

Wir Menschen sind wie Käfer auf einer riesigen Kugel – wie wollen wir da den Überblick behalten?

Nur Mut!

Oooh, ist das alles deprimierend, könntest du jetzt sagen. Ich finde aber, dass genau das Gegenteil der Fall ist.

Stell dir vor, du könntest erfolgreich sein, auch wenn du nicht vollständig an dich glaubst.

Stell dir vor, du könntest glücklich sein, obwohl etwas an dir nicht stimmt.

Stell dir vor du bist ein perfektes Wunder – nicht irgendwann, sondern hier und jetzt. Ein perfektes Wunder mit vielen Schwächen und Unzulänglichkeiten – das ist es, was sich Mensch nennt.

Und jetzt bin ich sehr gespannt auf deine Meinung. Bitte schreibe mir doch einen Kommentar. Auch dann, wenn du anderer Meinung bist ;-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie