Gute Vorsätze – Futter für den Schwellentroll?

Ich hatte es mir vor einem Jahr so fest vorgenommen. Ich wollte:

Mein Buch fertig schreiben, eine großartige und geachtete Fotografin werden, dabei viel mehr Sport machen, regelmäßig meditieren und natürlich noch nebenbei die Welt retten.

Nun ist das Jahr fast vorbei. Gerade noch zwei Tage bleiben mir, um die restlichen guten Vorsätze in die Tat umzusetzen. Also schiele ich tapfer auf meine Liste und ….AAAAHHHH!!!!

„Steckst du da dahinter?“ fauche ich meinen Schwellentroll an, denn der betrachtet mich die ganze Zeit schon so zufrieden. Er grinst mich selbstgefällig an, denn er weiß: Jetzt hat er mich wieder einmal dort, wo er mich quälen kann.

Er fängt auch gleich damit an:

Siehst du, du hast es wieder einmal nicht geschafft! Dabei hattest du ein ganzes Jahr Zeit. Aber du schaffst ja nie was! Du kommst nie vorwärts! Aber das ist ja kein Wunder, das liegt an deinem Charakter. Sieh dir mal an, was erfolgreiche Menschen in dieser Zeit geschaffen haben…“

Und so geht es weiter, bis ich mich wie eine ausgelutschte Orange fühle, die man zurecht in den Mülleimer geworfen hat.

Gute Vorsätze

Das Vertrackte an Neujahrsvorsätzen

Gute Vorsätze sind eigentlich eine großartige Idee. Vorausgesetzt du kannst sie auch erfüllen. Denn erfüllte Vorsätze schwächen den Schwellentroll. Vor allem dann, wenn du dir Dinge vorgenommen hast, die dir von Herzen wichtig sind.

Schwierig werden gute Vorsätze dann, wenn du sie heute immer noch unangetastet in deiner Liste findest. Denn so lieferst du dem Schwellentroll handfestes Vergleichsmaterial, mit dessen Hilfe er dir darlegen kann, warum du so ein schlechter Mensch bist. Und Vorsicht: Der Schwellentroll kann gut argumentieren.

Aus jedem nicht gelebten Vorsatz, bastelt dir dein Schwellentroll einen weiteren Grund, warum du nicht liebenswert bist. Und alles, was du gegen dich selbst in der Hand hältst, macht es dir schwerer, aus dem Teufelskreis der Selbstvorwürfe auszubrechen.

Warum wir uns nicht an gute Vorsätze halten

Weshalb halten wir uns dann nicht einfach an die guten Vorsätze, die wir uns vornehmen? Lass uns das Ganze einmal an meinem Beispiel ‘ich möchte mein Buch fertig schreiben’ ansehen:

Grund 1: Wir nehmen uns zu viel vor

Es war von vorneherein klar, dass mein Buch seeehr lang werden würde. Und ich wollte es in einem so turbulenten Jahr wie 2014 fertig schreiben? Realistischer wäre der Vorsatz gewesen, eine gewisse Anzahl von Seiten fertigzustellen. Und das habe ich zum Glück auch erreicht.

Grund 2: Dringendes kommt dem Wichtigen zuvor

Manchmal gibt es einfach Dinge, die erledigt werden müssen. Obwohl wir sie am liebsten ganz weglassen würden, um uns mit dem zu befassen, was uns wirklich wichtig ist. Wer würde sich nicht gerne ganz seinem Herzensprojekt widmen ohne darauf achten zu müssen, ob noch Geld auf dem Konto ist?

Doch dabei stoßen wir leider auf eine Grenze, die sich ‘Realität’ nennt: Spätestens bei der nächsten größeren Rechnung kommt das böse Erwachen.

Ich hätte also schon mein Buch fertig schreiben können. Allerdings mit der Folge, meine Lebensgrundlage zu verlieren.

Am besten planst du solche unabdingbaren Dringlichkeiten direkt mit ein – und zwar realistisch. Trotzdem kann es natürlich sein, dass mehr dazwischenkommt, als geplant war. Dann gilt es, nachsichtig mit sich selbst zu sein.

Grund 3: Das Jahr hat andere Prioritäten entwickelt

Du hast dir gar nicht zu viel vorgenommen und auch die Dringlichkeiten realistisch mit einberechnet. Trotzdem liegt dein guter Vorsatz noch unbearbeitet da?

Wenn dies der Fall ist, solltest du dich einmal fragen, ob dein guter Vorsatz für dich noch die gleiche Priorität hat, wie zu Anbeginn des Jahres.

In diesem Jahr gab es einfach Projekte, die mir mehr unter den Fingernägeln brannten als das Schreiben des Buches. Und so ist zwar das Buch noch nicht fertig, dafür aber dieser Blog entstanden. ;-)

Wenn dein Jahr andere Prioritäten entwickelt, macht es Sinn, nicht stur auf den alten Vorsätzen zu beharren, sondern diese flexibel an die neuen Gegebenheiten anzupassen. Für deinen Kampf gegen den Schwellentroll ist es besser, einen Vorsatz bewusst aufzugeben oder auf einen bestimmten Zeitpunkt zu verschieben, als den Dingen einfach ihren Lauf zu lassen und am Ende des Jahres mit einer Liste voller unerledigter Dinge dazustehen.

3 Vorschläge gegen unerledigte Vorsätze:

Hmm, nun rückt Neujahr wieder bedrohlich nah und mögliche Vorsätze für 2015 sind auch nicht mehr weit. Also habe ich mir drei Dinge überlegt, wie du es mit den guten Vorsätzen klüger anstellen kannst.

Ich hoffe, sie helfen dir (und mir) dabei, am Ende des nächsten Jahres kein Schwellentroll-Futter in Form von unerledigten Aufgaben bereit zu halten.

Vorschlag 1: Der positive Rückblick

Okay, wirf die Liste mit den unerledigten guten Vorsätzen in den Müll. Oder verbrenne sie am besten, damit nichts davon übrig ist.

Und nun blicke möglichst unvoreingenommen auf das vergangene Jahr zurück und schreibe mindestens 20 Dinge auf, auf die du stolz sein kannst. Es ist okay, wenn ‘die Welt gerettet’ nicht in deiner Liste auftaucht. Oft sind es die kleinen Dinge im Leben, die uns wirklich glücklich machen.

Vorschlag 2: Ein ungewöhnlicher Vorsatz

Wie wäre es, wenn du dir vornimmst, ab und zu eine Auszeit von deinen Vorsätzen zu nehmen?

Oder wenn du dir von vorneherein die Absolution erteilst, nicht alle gute Vorsätze wirklich umzusetzen?

Du wirst bestimmt nicht tot umfallen, wenn du mal eine Woche lang keinen Sport machst, nichts für dein Projekt tust, nicht die Wohnung aufräumst und vielleicht nicht einmal nett zu deinen Mitmenschen bist.

Probiere es einmal aus: Es ist sooo erleichternd, einfach nichts tun und nichts erreichen zu müssen.

Vorschlag 3: kleinere Schritte

Ein Jahr ist eine verdammt lange Zeit. Für ein ganzes Jahr planen zu wollen, ist daher oft Augenwischerei.

Es ist so ermüdend, wenn du den einen dicken Punkt auf deiner To-Do Liste erst am Ende des Jahres durchstreichen darfst (wenn überhaupt). Bis zu diesen Zeitpunkt aber geistert er unwillkürlich in deinem Kopf herum und nimmt dir die Energie für das, das wirklich gerade ansteht.

Was wäre aber, wenn du dein Jahresziel in viele kleine, machbare Schritte unterteilst?

Wenn du zunächst Monatsziele, dann Wochenziele und schließlich ein winziges Tagesziel absteckst?

Fang doch gleich heute damit an!

Wie gehst du selbst mit guten Vorsätzen um? Nimmst du dir überhaupt etwas vor oder lässt du das Jahr einfach auf dich zukommen? Hast du noch einen guten Tipp gegen unerledigte Vorsätze? Ich würde mich freuen, von dir zu hören!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie