Wie man ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickelt.

gesundes Gefühl für sich selbstHast du schon mal den Spruch gehört, dass man Beziehungen pflegen muss, wenn man möchte, dass sie langfristig funktionieren?

Und was ist mit der Beziehung zu dem wichtigsten Menschen in deinem Leben, pflegst du die auch?

Klar doch, wirst du jetzt vielleicht sagen, erst gestern hatte ich einen schönen Filmabend mit meinem Partner / meiner besten Freundin oder wem auch immer.

Aber auch wenn dich das vielleicht schockiert: Das sind nicht die wichtigsten Menschen in deinem Leben.

Der wichtigste Mensch in deinem Leben bist DU

Jetzt fragst du dich wahrscheinlich, was dieser Artikel in einer Reihe über den Umgang mit anderen Menschen zu suchen hat. Ja, er ist hier richtig. Und nein, ich habe ihn nicht deswegen geschrieben, weil mir sonst nichts mehr eingefallen ist.

Der Grund, warum der Artikel in dieser Serie erscheint, ist folgender: Deine Beziehung zu dir selbst bestimmt auch deinen Umgang mit anderen Menschen. Und zwar ganz zentral.

  • wenn du nicht weißt, was dir schadet, kannst du dich nicht ausreichend abgrenzen (Selbstschutz)

  • wenn du keinen Kontakt zu dir selbst als dem nächsten menschlichen Wesen herstellen kannst, wie willst du da andere Menschen erreichen?

  • Die Liebe und Wertschätzung, die du anderen Menschen entgegenbringen kannst, ist direkt abhängig davon, ob du dir diese Gefühle selbst entgegenbringst.

Nicht jeder Mensch hat ein gesundes Gefühl für sich selbst überhaupt entwickeln können. Andere haben es irgendwann im Laufe eines fremdbestimmten Lebens wieder verloren.

Stehst du noch in Kontakt mit dir selbst? Die Beantwortung dieser Frage ist nicht einfach und erfordert radikale Ehrlichkeit. Hier ein paar Wegweiser:

10 Punkte, an denen du erkennst, dass du das Gefühl für dich selbst verloren hast.

  1. Du reibst dich gerne an Aufgaben auf und merkst erst viel zu spät, dass du dich überanstrengt hast. ‘Puuh, jetzt bin ich aber fertig.’

  2. Dein Leben richtet sich nach den Dingen, die andere Menschen für wichtig halten und nicht nach deinen eigenen Wünschen. ‘Natürlich muss ich an Weihnachten alle Verwandten besuchen.’

  3. Manchmal kannst du gar nicht mehr so genau sagen, ob du gerade das tust, was du wirklich willst oder das, was du wollen solltest. ‘Eeeigentlich ist mein Job als Sachbearbeiter doch ganz nett.’

  4. Es fällt dir schwer, zu sagen, was dich glücklich macht. ‘Glück, hmm. Irgendwas wird schon im Fernsehen laufen.’
  5. Wenn jemand eine sehr überzeugte Meinung von einem Thema hat, traust du dich nicht, anderer Meinung zu sein. ‘Klar doch, du hast vollkommen Recht, dass Frauen/Männer doof sind.’

  6. Es ist dir unangenehm, mit dir selbst allein zu sein, ohne eine Beschäftigung zu haben. ‘Aarrhgg!! Irgendwas muss ich doch TUN!’

  7. Manchmal wenn du dein Leben betrachtest, hast du den Eindruck, den Wald vor lauter Bäumen nicht zu sehen. ‘Es gibt tausend Sachen zu erledigen!! Ähh, was wollte ich eigentlich überhaupt machen?’

  8. Du misst dich an den Maßstäben anderer Der Kollege ist nach seinen 80 Arbeitsstunden noch topfit. Also bin ich ein Versager.’

  9. Du magst dich eigentlich nicht besonders ‘Uäh, was schaut mich denn da im Spiegel an??’

  10. Du hast nicht das Gefühl, ganz und gar in deinem Körper zu ruhen.

 

Erwischt? Und jetzt?

Wie kann man ein gesundes Gefühl für sich selbst (wieder)entwickeln?

Ein bisschen Erste Hilfe:

1) Heilsames Alleinsein:

Wenn du zu den Menschen gehörst, denen es schwer fällt, nichts zu tun und mit niemandem zu reden, wird es Zeit, hier deinen Schwellentroll herauszufordern. Richte dir Zeiten zum Alleinsein und Nichtstun ein. Aber nicht schummeln! Kein Buch, kein Internet, kein Telefon. Und wehe, du räumst in dieser Zeit die Wohnung auf ;-)

Alleinsein kann am Anfang richtig wehtun. Aber es hilft!

2) Den Körper fühlen:

Wenn du dein gesundes Gefühl für dich selbst verloren hast, geht das häufig mit einer fehlenden Körperwahrnehmung einher. Ich meine damit nicht, dass du plötzlich nicht mehr weißt, ob du noch alle Arme hast. Ich meine eher, dass es sich so anfühlt, als wäre dein Selbst irgendwo in der Weltgeschichte unterwegs und eben nicht in deinem Körper. Indem du dich bewusst auf deine Körperwahrnehmung konzentrierst, kannst du wieder mehr in deinen Körper zurückfinden. Eine gute Einstiegsübung ist es, dem Atem auf seinem Weg durch deinen Körper zu folgen und zu fühlen, wie sich dein Körper ausdehnt und zusammenzieht.

3) Dich selbst mögen lernen:

Okay, alle Punkte, die du an dir nicht magst, dürften bereits bekannt sein. Jetzt geht’s ans Eingemachte: Und was an dir ist wirklich toll? Wie wäre es, wenn du versuchst, jeden Tag eine Kleinigkeit zu finden, die du wirklich an dir magst?

Es hilft übrigens nichts, sich diese Dinge gebetsmühlenartig aufzusagen oder der Partnerin nachzuplappern. ‘Oh, dein Haar ist sooo schön!’ Ist es das für dich wirklich? Was daran ist schön? Sei ehrlich zu dir selbst, du musst nicht alles an dir gut finden. Hauptsache, du findest irgendetwas ;-)

Und du wirst etwas finden, sei da ganz beruhigt. :-)

Ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickeln bedeutet auch, sich selbst lieben lernen…

4) Liebes Tagebuch…

Schreibe auf, was dich beschäftigt. Nimm dir regelmäßig Zeit, deine Sorgen, Nöte und Hoffnungen zu Papier zu bringen. Es wird dir helfen, klarer zu sehen. Es ist dabei sehr hilfreich, einfach aufzuschreiben, was dir gerade in den Sinn kommt, ohne es zu bewerten. Ansonsten wird dir womöglich dein Schwellentroll diktieren, was du zu schreiben hast.

Lass es einfach fließen und schau dir erst danach an, was du geschrieben hast.

Vielleicht willst du diese Schreibübung zu einem wöchentlichen Ritual machen?

5) Der Freu-Dich-Termin:

Tue regelmäßig etwas, das dir wirklich Freude macht. Es ist vollkommen egal, was es ist, aber es sollte in dir eine ungezwungene, kindliche Freude wachrufen. Das Gefühl der Freude führt auf direktem Weg zu dir selbst. Und ja, das gehört in deinen Terminkalender. Und dieser Termin ist genauso wenig verschiebbar, wie ein Zahnarzttermin (wenn auch hoffentlich angenehmer). Du kannst keine Freundschaft zu einem Menschen aufbauen, dessen Termine du nicht ernst nimmst.

Hast du dich schon einmal mit dem Thema ‘ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickeln’ beschäftigt? Welche Erfahrungen hast du gemacht? Mit welchen weiteren Tipps und Übungen lässt sich ein gesundes Gefühl für sich selbst entwickeln? Ich freue mich auf regen Austausch. :-)

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie