Ende gut alles gut – oder wie du dein Buch wirklich fertigschreibst.

dein Buch wirklich fertigschreibstEs gibt Momente im Leben eines Autors, die sind einfach nur besonders.

Zum Beispiel der Augenblick, indem du das Wort ENDE unter dein Manuskript schreibst und dich mit einem Seufzen zurücklehnst. Oder der Tag, an dem aus dem Gedankenchaos deiner Erstfassung tatsächlich etwas geworden ist, was auch anderen Menschen zusagt. Oder gar der Moment, in dem du zum ersten Mal ein Exemplar deines Buches in Händen hältst und etwas verdattert feststellst, dass du es tatsächlich GETAN hast.

Natürlich ist der Prozess des Schreibens an sich schon etwas Besonderes. Doch diese Momente sind das Sahnehäubchen, welches aus einem leckeren Kakao ein kulinarisches Kunstwerk macht, an das du dich noch lange erinnern wirst.

Warum solltest du dir das Beste entgehen lassen?

Fragst du dich gerade, warum du dir regelmäßig diese Sahnehäubchen entgehen lässt? Wie es sein kann, dass dir einfach jedes Mal etwas dazwischen kommt?

Natürlich machst du das nicht mit Absicht. Ich kenne nicht einen einzigen kreativen Schreiber, der es sich nicht wünscht, seine Projekte zum Abschluss zu bringen. Einigen gelingt es immer. Anderen manchmal. Und vielen nie.

Es gibt Schreibratgeber und Coaches da draußen, die behaupten folgendes: Wer wirklich schreiben will, der schafft es auch, seine Bücher fertigzustellen. Und zwar ohne Unterstützung von außen. Selbst dann, wenn betreffende Person mit einem Fuß im Grab und mit dem anderen in der Hölle steht.

Und die anderen, die, die es nicht schaffen? Nun, die sind eben nicht dazu auserwählt, Schriftsteller zu werden. Sie sind zu weich, zu faul, zu… was weiß ich, die Liste könnte man endlos fortsetzen.

Weißt du was? Ich weiß ziemlich sicher, dass das nur Gequatsche ist.

Von etwas, das sich Leben nennt

Ich weiß das, weil ich selbst auch eine von denjenigen bin, denen ständig das Leben dazwischen kommt. Mein in diesem Jahr verfasster Roman sollte eigentlich im Juni herauskommen. Daraus wurde August – und nun ist es gar der 16. Dezember geworden.

Das ist so, weil mir eine Menge Leben dazwischen gekommen ist. Es hatte absolut nichts mit fehlerhafter Planung zu tun (ich kann ziemlich gut planen und den Überblick behalten). Doch es geschahen ganz einfach Dinge, die ich niemals hätte voraussehen können. Dinge, die so gewaltig waren, dass es tatsächlich um Leben und Tod ging. Ich hätte mich der Sache natürlich trotzdem entziehen können, so zum Beispiel:

‘Tut mir leid, stirb ruhig schon einmal, ich hab leider gerade keine Zeit. Ich muss mein Buch fertigschreiben.’

Hört sich seltsam an, oder?

Das mag jetzt ein sehr drastisches (wenn auch in meinem Fall reales) Beispiel sein, doch es zeigt sehr gut, worauf ich hinauswill:

Du könntest tatsächlich alles um dich herum (Familie, Kinder, Freunde u.s.w.) vernachlässigen und so einen sehr viel konsequenteren Zeitplan zum Schreiben einhalten. Doch ist es wirklich das, was du willst? Ist das das Leben, von dem du geträumt hast?

Schreiben soll uns näher zu uns selbst und unserer Seele führen. Es soll uns nicht zu weltfremden Unmenschen machen.

Die Sache mit dem Gleichgewicht

Nun wirst du mir vielleicht entgegenhalten, dass du ja nie fertig wirst, wenn du dich auf jedwede Ablenkung einlässt. Das ist wahr.

Und das sollst du auch gar nicht. Damit du dein Buch wirklich fertigschreibst, ist es unbedingt notwendig, dass das Schreiben einen hohen Status in deinem Leben hat.

Es geht also wie so häufig um ein Gleichgewicht. Wenn du auf authentische Art erfolgreich sein willst, gilt es das Kunststück zu beherrschen, dich flexibel an die Eskapaden des eigenen Lebens anzupassen ohne jedoch das eigentliche Ziel (nämlich dein Buch fertigzuschreiben), zu vernachlässigen.

Warum Planung nicht alles ist

Vielleicht hast du dich selbst schon gewundert, wie es sein kann, dass dein Buch nicht fertig wird, obwohl du einen wirklich guten und machbaren Arbeitsplan aufgestellt hast. Vielleicht hast du nicht einmal eine Ausrede, dass dir etwas wichtiges dazwischen gekommen ist. Es war einfach nur der Alltag. So vieles zu erledigen. Du schiebst dein Projekt vor dir her. Und schiebst. Und schiebst…

Was in aller Welt ist da los?

Ich sage gar nicht, dass du deine Planung aufgeben sollst. Einen Plan zu haben, kann dir helfen, dein Schreiben besser in dein Leben zu integrieren und schlichtweg immer wieder daran zu denken. Doch Pläne müssen modifiziert werden, wenn etwas dazwischen kommt. Und sie sind NICHT das einzige Tool, das darüber entscheidet, ob du dein Buch wirklich fertigschreibst.

Wie du dein Buch wirklich fertigschreibst

Es gibt etwas, was du sehr viel dringender brauchst als einen guten Zeitplan. Und das ist ein guter Grund.

Ja, du hast richtig gelesen, ein guter Grund, um das Buch wirklich fertigzuschreiben. Einer, der dich dranbleiben lässt, auch wenn die Fertigstellung einmal durch äußere Umstände ganz weit in die Ferne rückt. Der dafür sorgt, dass du dein Projekt auch im größten Chaos nie ganz vergisst. Ein Grund, der wichtig genug ist, um dich auch durch schwierige Phasen in der Erstellung deines Buches zu tragen. Denn nach meiner Erfahrung wäre es glatt gelogen, zu sagen, dass das wirkliche Fertigstellen eines solchen Projektes in allen Arbeitsschritten immer nur einfach ist. Du wirst manchmal zweifeln – an dir selbst, deinem Stoff, am ganzen Universum. Es wird Arbeitsschritte geben, die du nicht besonders magst. Und es wird bestimmt irgendeinen Menschen geben, der dich im falschen Moment zu demoralisieren versucht.

Wie du deinen Grund findest

Vorneweg: Es macht überhaupt keinen Sinn, den Grund eines anderen Schriftstellers zu übernehmen oder eine so allgemeine Aussage wie: ‘Wenn ich ein Buch veröffentlicht habe, dann darf ich mich Schriftsteller nennen.’

Du suchst nicht mehr und nicht weniger als dein tiefstes Verlangen, deinen heiligsten Grund. Und den kannst du dir von niemandem diktieren lassen.

Ein paar Anregungen:

Zunächst einmal solltest du dir klar machen, was dein eigentliches Ziel ist. Welches Ziel gibt dir die Erfüllung, die du dir wünschst? Willst du einfach nur dein Manuskript für dich fertigstellen? Ist es dir wichtig, deinen Buchtitel im Verzeichnis lieferbarer Bücher zu finden? Begeistert dich die Vorstellung, eine bestimmte Gruppe von Menschen zu erreichen? Oder gar eine gigantische Leserschaft?

Eng damit verbunden ist natürlich die Frage nach deiner Zielgruppe (wer soll dein Buch lesen) und danach, welche Rolle das Geldverdienen bei deinem Buch spielt.

Eine weitere wichtige Frage ist, warum es genau das Buch sein soll, an dem du gerade schreibst. Was daran ist dir so wichtig, dass du dafür bereit bist, Schwierigkeiten zu überwinden? Manche Projekte werde aus dem einfachen Grund nicht fertig, dass sie für das Wertesystem des Autors keine besondere Rolle spielen. Du redest dir vielleicht ein, dass du die Geschichte toll findest. Aber im Grunde fehlt dir etwas dabei. Sie langweilt dich.

Wenn du schon mehrere Geschichten geschrieben oder dir zumindest ausgedacht hast, lohnt es sich, in ihnen nach Gemeinsamkeiten zu suchen. Wenn du sehr gründlich nachforschst, findest du so die Themen und Werte, über die du wirklich gerne schreibst, weil sie dich zutiefst faszinieren.

Ich dachte zum Beispiel früher, dass es keinen roten Faden in meinen Projekten gäbe, weil ich mich ungern auf ein bestimmtes Genre einschränken lasse. Doch auf die oben beschriebene Weise habe ich meinen roten Faden gefunden: Ich schreibe unheimlich gerne über Menschen, die in Extremsituationen über sich hinauswachsen und zeigen, dass der Mensch gerade in verzweifelten Situationen zu wahrer Größe fähig ist.

Das ist mein heiliger Grund: Den Menschen daran zu erinnern, dass er – obwohl er wirklich viel Unsinn anstellt – ein großartiges Wesen ist. Zu bezeugen, dass ich an den Menschen glaube und daran, dass er soviel größer ist, als er selbst glaubt.

Dieser Grund trägt mich auch dann, wenn es mal richtig schwierig ist. Er hat dafür gesorgt, dass das kompliziert gewordene Manuskript meines aktuellen Romans tatsächlich fertig geworden ist und er sorgt auch dafür, dass ich hier regelmäßig schreibe.

Was ist dein heiliger Grund?

Deswegen möchte ich dich heute dazu einladen, deinen eigenen Grund zu finden. Nimm dir dafür ruhig ein bisschen Zeit. Es ist nämlich wichtig, dass du ganz ganz ehrlich zu dir selbst bist und die Werte und Ziele findest, die dich wirklich begeistern – nicht diejenigen, die sich am besten anhören.

Wenn du dich nicht allein auf die Suche danach machen möchtest, kannst du dich auch gerne von mir unterstützen lassen.

Was ist dein Grund? hast du schon eine Ahnung? Hinterlasse mir doch einen Kommentar, wie sich das alles für dich darstellt!

Alles Liebe,

Marie