Die wichtigste Zutat für authentisches Schreiben

Stille Es ist ein Traum

Du hast unendlich viel Zeit zum Schreiben. Um dich herum herrscht Stille und Frieden. Vollkommen klar im Geist setzt du dich hin und beginnst zu schreiben. Du weißt ganz genau, was sich durch dich ausdrücken will und wie deine Geschichte aussieht, denn nichts lenkt dich vom Wesentlichen ab…

… bis einen Moment später dein Schwellentroll das Zimmer stürmt. Er kommt mit dämonischem Grinsen und der drohend erhobenen Faust. Plötzlich wird dir klar, dass dein eigenes Leben sehr weit von diesem Schreibtraum entfernt ist. Denn in deinem Leben gibt es Verpflichtungen. Da sind Menschen, die deine Aufmerksamkeit benötigen, Arbeiten, die erledigt werden wollen. Und dann gibt es da noch diesen ganzen Wust an Gedanken, Gefühlen und Bildern, mit denen du spätestens dann konfrontiert wirst, wenn du die Zeitung aufschlägst oder ein kurzes Gespräch mit deinem Nachbarn führst.

Und dann?

Deine klaren Gedanken beginnen zu verschwimmen. Plötzlich kannst du gar nicht mehr so genau sagen, warum du diese Geschichte schreiben wolltest. Zweifel an deinen Fähigkeiten tauchen auf. In der Hektik des Alltags verschmelzen deine Wünsche und Gaben mit all den Forderungen, die von außen an dich herangetragen werden. Selbst wenn du Zeit zum Schreiben findest, hast du Schwierigkeiten, richtig einzutauchen. Du fühlst dich irgendwie weit weg von dem, was dir wichtig ist. Und das Schlimmste daran: Was du zu Papier bringst, hört sich auch genau so an.

Aus diesem Grund möchte ich heute über Stille in deinem Leben schreiben. Und zwar nicht darüber, dass es ganz nett ist, sich von Zeit zu Zeit zu entspannen. Stille ist nicht nur ganz nett. Sie ist absolut essentiell, wenn du aus dem Herzen heraus schreiben willst.

Dies ist ein Beitrag zur Blogparade ‘Stille, die der Mensch ist’ von Meike und Nicolai Jürgensen.

Drei Gründe, warum Stille dir beim Schreiben weiterhilft

In der Stille werden deine Eindrücke verarbeitet

Schreiben ist letztendlich nichts weiter als eine sehr kreative Verarbeitung der Erlebnisse, die du tatsächlich hast. Das gilt übrigens auch für fiktionale Geschichten. Kreative Ideen können nur dann entstehen, wenn der Input von außen gründlich verarbeitet wird, und dabei wirkt eine Phase der Stille extrem unterstützend. Stille hilft dir also dabei, den ständigen Fluss deiner Ideen am Leben zu halten.

Stille sorgt für mehr Power

Stille entspannt deinen Körper und Geist ungemein. Schon eine kurze Phase der Stille jeden Tag macht dich körperlich und geistig fitter. Das bedeutet, dass du einerseits mit tieferer Konzentration schreiben kannst und andererseits viele Handlungen des Alltags schneller und gründlicher erledigen kannst – wodurch wiederum mehr Zeit zum Schreiben übrig bleibt. ;-)

Als angenehmer Nebeneffekt kommt hinzu, dass du eine viel besseres Gefühl für deinen Körper und seine Bedürfnisse entwickelst und daher seltener krank wirst.

In der Stille kommst du deinem Kern näher

Ich beobachte immer wieder Menschen, die eigentlich begeistert und aus dem Herzen heraus schreiben, aber durch die ständigen Ablenkungen des Alltags immer wieder regelrecht den Faden verlieren. Das ist gar kein Wunder, denn die Menge an Ablenkung und Verantwortung, mit denen die meisten Menschen heutzutage konfrontiert werden, ist einfach enorm.

In einer derart turbulenten Zeit ist es doppelt wichtig, immer wieder mit deinem Kern oder deiner Essenz Kontakt aufzunehmen. Im Grunde geht es dabei darum, zu spüren, was die große Vision deines Herzens ist und welchen Weg du in diesem Moment einschlagen musst, um ihr näher zu kommen.

Stille hilft dir dabei, wirklich in Kontakt mit dir selbst zu kommen und zu spüren, wo du gerade voll auf Linie bist und an welchen Stellen du deine wichtigsten Werte noch immer verrätst. Dieser rote Faden für dein Leben befruchtet dann auf zweierlei Weise dein Schreiben:

a) Du weißt, welches Projekt für dich stimmig ist und wie wichtig es für dich ist. Damit kannst du mit innerem Feuer daran arbeiten und wirst auch wirklich fertig.

b) Wenn du weißt, wofür du mit deinem Leben stehen willst, wird dein Schreiben ganz automatisch klarer und autenthischer. Und das wiederum steigert die Chance, dass sowohl du als auch andere Menschen von deiner Geschichte begeistert sind.

Und was kannst du konkret tun, um Stille in dein Leben zu integrieren?

Oh je, jetzt höre ich dich schon rufen:

Aber Marie, ich habe ja kaum Zeit zum Schreiben und jetzt soll ich zusätzlich dazu noch stundenlang meditieren? Du hast ja keine Ahnung, wie mein Leben aussieht!

Keine Sorge, du musst nicht stundenlang meditieren, um in Kontakt mit der Stille zu kommen. Und ich weiß aus eigener Erfahrung, wie viel Überwindung es kostet, beispielsweise eine Viertelstunde am Tag ausschließlich für Stille zu reservieren. Ich hatte am Anfang auch ständig das Gefühl, damit kostbare Zeit zu vergeuden, die ich genauso gut zu Schreiben nutzen könnte.

Aber das ist ein Trugschluss. Du vergeudest damit keine Zeit, sondern tatsächlich schaffst du damit mehr Zeit und Konzentration. Was du in diese Viertelstunde investierst, bekommst du hundertfach zurück.

Doch es nützt wenig, nur darüber zu lesen. Wirkliche Veränderung in unserem Leben entsteht nur durch Praxis. Daher möchte ich dich in diesem Artikel dazu einladen, die Stille einfach einen Monat lang probeweise in dein Leben zu integrieren und dann selbst zu entscheiden, was dir hilft und was nicht.

Stille erleben – wie geht das?

Ich bin keine Freundin von starren Meditationsregeln und festen Anweisungen, wann und wie lange du gefälligst in die Stille eintauchen sollst. Ich halte auch nichts davon, dir irgendeine komplizierte Atemübung aufzubürden oder dich zu zwingen, eine Stunde lang auf einem Bein zu stehen. ;-)

Wie wäre es, wenn du einfach deiner Neugierde und der Freude folgst und verschiedene Dinge ausprobierst, bis du etwas Passendes gefunden hast?

Ein paar Anregungen:

Einige Menschen mögen es, einfach eine Viertelstunde dazusitzen und alle Gedanken und Gefühle, die sich zeigen, kommen zu lassen.

Andere Menschen gehen allein spazieren. Machen Sport. Tanzen zu mystischer Musik.

Was immer für dich funktioniert, ist okay. Es geht nicht um das, was du im Außen tust, sondern darum, dass du mit der Stille in deinem Inneren in Kontakt kommst und das Gefühl hast, klarer und konzentrierter zu werden.

Um die Stille sinnvoll in deinen Tagesablauf zu integrieren, würde ich dir raten, auf zwei Signale zu achten

Erstens: Wann im Tagesverlauf ist Stille besonders angenehm für dich?

Zweitens: Wann bringt dir die Stille den größten Mehrwert?

Für mich zum Beispiel funktioniert der Morgen gar nicht, weil ich dann ein griesgrämiges Monster mit der Auffassungsgabe einer Stubenfliege bin. ;-)

Dagegen ist die letzte halbe Stunde vor dem Schlafengehen für mich perfekt. Die Stille am Abend hilft mir, auf eine sehr eindringliche Weise herauszufinden, was an diesem Tag wirklich gut war und wie ich den nächsten Tag angehen möchte, um meinen Werten und meinem Lebensstil treu zu sein. Seit ich mir Zeit für Stille nehme, ist mein Schreiben viel präziser geworden und ich kann viel klarer sagen, ob ein bestimmtes Projekt zum aktuellen Zeitpunkt stimmig für mich ist oder nicht.

Welche Rolle spielt Stille in deinem Leben? Lässt du bewusst Stille in deinem Leben zu? Welche ‘Methoden’ verwendest du dafür? Schreib doch einen Kommentar und teile deine Meinung mit.

Alles Liebe,

Marie

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