Die Tyrannei des Glücks

Warum dich der Versuch, glücklich zu sein, ganz schnell unglücklich macht.

Letztens saßen mein Schwellentroll und ich auf dem Sofa und sahen uns eine Dokumentation an.

Mein Schwellentroll war übrigens fetter denn je und blockierte mehr als 90 Prozent des Sofas.

Deshalb hatte ich eine Dokumentation angemacht, um ihn zu vertreiben:

Eine Dokumentation über Glück.

Ich dachte mir wohl: Glück kann der Dicke nicht leiden, also habe ich gleich das ganze Sofa für mich.

Da habe ich mich wohl geirrt.

Dem Schwellentroll gefiel meine Dokumentation.

Sogar richtig gut.

Er lachte gehässig vor sich hin.

Und ich saß einfach nur da, starrte ihn an und war baff.Glück

Was kann mein Schwellentroll mit dem Thema Glück anfangen?

Es dauerte eine Weile, bis ich begriff.

In der Dokumentation ging es um Menschen, die das wahre Glück gefunden hatten und zwar auf ganz simple Weise. Keiner von ihnen hatte einen Eiffelturm gebaut oder den Mount Everest bestiegen. Und trotzdem waren sie glücklich? Unglaublich!

Und dann drehte sich mein Schwellentroll zu mir um. Das Funkeln seiner kleinen Schweinsäuglein verriet nichts Gutes.

„Und warum bist DU nicht so vollkommen glücklich?“ fragte er.

Der Gedanke daran macht es kaputt:

Au!

Mein Schwellentroll hatte mal wieder ins Schwarze getroffen.

Ich sah die Menschen in dem Film. Ich sah mich. Und ich begann zu vergleichen.

Vorhin hatte ich mir ja noch keine Gedanken gemacht, ob ich eigentlich glücklich bin. Aber wenn man das so im Fernsehen sieht, kommt man sich plötzlich so bedeutungslos vor.

Diese Familie lebte auf einem malerischen Hof in der Natur.

Sie waren Selbstversorger und Künstler.

Und sie schienen so frei wie nur irgend möglich zu sein.

Mist!

Das will ich doch auch.

Nun hatte mich mein Schwellentroll ganz und gar in den Fängen. Denn wie konnte ICH dann glücklich sein? Mitten in der Vorstadt, in meiner kleinen Wohnung mit ekelhaftem Gemüse aus dem Supermarkt, war ich so weit wie nur möglich von diesem Ideal entfernt.

Diese Fernsehfamilie machte mich hoffnungslos.

Also stand ich vom Sofa auf, das sowieso hoffnungslos schwellentroll-überladen war und habe versucht, herauszufinden, was unglücklich macht.

Dies ist eine verspätete Antwort auf die Blogparade ‘Wie sich Glück darstellt’ von Frank Ohlsen von ‘Finde dich selbst’. Dort findest du ganz viele tolle Artikel zum Thema Glück. Schau doch mal hier vorbei!

Was Glück NICHT ist

1) Sich vergleichen

Ich war glücklich, bevor ich auf Facebook gesehen habe, was meine Freunde für tolle Projekte machen. Und wie schnell! Da kann ich ja gleich einpacken!

2) Glücklich sein MÜSSEN

Oh je, jetzt habe ich mir einen ganzen Tag lang Zeit genommen, um glücklich zu sein. Jetzt muss ich mich aber anstrengen, damit das klappt!

3) Glück mit Materiellem gleichsetzen

Ich MUSS dieses schicke Kleid haben, dann wird alles gut.

4) Glück in der Zukunft suchen

Wenn ich erst mal auf dem Land lebe, kann ich auch glücklich sein.

5) Glücklichsein an andere knüpfen

Also wenn mein Mann nicht so unordentlich wäre, dann könnte ich glücklich sein.

6) Seinen Träumen so verbissen folgen, dass man vergisst, warum man sie träumt

Ich will eine Weltreise machen, aber dafür brauche ich natürlich haufenweise Geld. Deshalb werde ich die nächsten 30 Jahre 80 Stunden die Woche arbeiten und wenn ich dann in Rente gehe, ja DANN…

7) Perfektionismus

Ich muss erst noch zwanzig Bücher lesen, drei Musikkurse besuchen und mein erstes Musikstück zwanzigmal neu schreiben, dann – das verspreche ich dir – dann spiele ich es dir vor.

8)Vernünftig sein

Ich würde ja gerne Maler werden, aber damit lässt sich doch kein Geld verdienen.

9) Angst, einfach du selbst zu sein.

Was, wenn die anderen in mein tiefstes Inneres blicken und dort nichts Schönes ist?

10) Glauben, kein Glück verdient zu haben

Und wenn die Menschen wirklich in mein Innerstes blicken könnten, dann wüssten sie auch, warum ich kein Glück habe.

Natürlich schreibe ich diesen Beitrag nicht, damit du möglichst gut unglücklich bist. Sei glücklich! Aus ganzem Herzen. Aber bitte, bitte,

MACH DIR KEINEN STRESS DAMIT!

Glück ist kein Wettbewerb, bei dem man schnell-schnell mithalten muss.

Glück ist der Weg, nicht das Ziel.

Also entspanne dich, tue dir was Gutes und warte einfach mal darauf, ob du dann glücklich bist.

Und in der Zwischenzeit erzähle ich, wann ich glücklich bin.

Glücklich bin ich, wenn…

  • ich an das denke, was da ist und nicht an das, was fehlt

  • wenn ich die Kontrolle loslasse und einfach im SEIN bin

  • wenn ich mir im Rahmen meiner Möglichkeiten etwas Gutes tue

  • wenn ich glücklich sein will

  • wenn ich wage, einfach ich selbst zu sein

  • wenn ich meine Aufmerksamkeit auf den Moment richte und eine wunderbare Kleinigkeit entdecke (ein Regenbogen, einen Sonnenstrahl und oooh Schokolade ;-))

  • wenn ich meine Kreativität lebe.

Die Glücks-Liste lässt sich natürlich noch weiter fortsetzen. Das werde ich aber nicht tun.

Was ich viel schöner fände, wäre Folgendes:

Wenn du die Liste fortsetzt. Mit deinen eigenen Erfahrungen.

Wann bist DU glücklich?

Schreib mir doch einfach einen Kommentar!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie