Das schönste Hamsterrad der Welt

Dieser Beitrag ist nicht originell. Er ist nicht der einzige und schon gar nicht der erste. Und trotzdem hat es richtig Spaß gemacht, ihn zu schreiben.

Und er hat nicht mal ein Bild, dieser Beitrag. Weil ich keines gefunden habe. Und wisst ihr was? Das ist mir gerade herzlich egal!

In der Bloggerwelt geht gerade eine merkwürdige Grippe um. Sie beginnt mit einem Stirnrunzeln und setzt sich bis zu den Gehirnwindungen fort, die ganz plötzlich rot zu glühen beginnen. Die Hitze staut sich im Kopf und der Dampf entweicht nur zäh durch die Ohren. Und irgendwann gibt es einen großen Knall – was ganz natürlich ist, denn der Druck muss ja irgendwo hin.

Es ist die ‘Ich-muss-gar-nix-mehr-Grippe’. Sie hat eine mehrmonatige Inkubationszeit und führt über eine Stressphase zu einer akuten Entnervungsphase, welcher dann große Knall folgt.

Und dieser Knall ist wunderbar reinigend, das kann ich dir sagen. In hohem Bogen fliegen die ‘ICH MUSS’ und die ‘ICH SOLLTE’ raus und der Schwellentroll rennt panisch los, um sie wieder einzufangen.

Du aber hast endlich die Ruhe, das zu tun, was du eigentlich tun wolltest.

Ich konnte die Ergebnisse der Ansteckungswelle schon lesen, bevor sie bei mir vollkommen ausgeprägt war.

Vor einigen Wochen philosophierte schon Elisa Groka über stresserzeugende List-Posts und Sybille Johann folgte mit einem Artikel über hausgemachte Ansprüche. Und weiß Gott, wer sich noch alles angesteckt hat. Denn noch ist nicht genau bekannt, wie die Krankheit übertragen wird…

Jedenfalls, nachdem ich Elisas Beitrag gelesen hatte, wechselte meine Erkrankung in die akute Phase. Diese blöden Newsletter mit ihren ’20 Schritte bis zum ultimativen Glück’-Strategie – ich konnte sie plötzlich nicht mehr sehen. Natürlich habe ich gleich eine ganze Abmeldungswelle vorgenommen, bevor mein Schwellentroll es sich anders überlegen konnte.

Falls sich jetzt irgendjemand angegriffen fühlt: Diese Newsletter sind nicht schlecht, es gibt einfach nur zu viele davon. Bald komme ich an den Punkt, an dem ich zwei Stunden früher aufstehen muss, um alle Newsletter zu schaffen…

Und die Newsletter sind ja nur die Spitze vom Eisberg

Was ich eigentlich sagen will

Hamsterräder sind hartnäckige kleine Dinger. Zuerst bemerkst du sie gar nicht. Dann fällt dir das Hamsterrad doch mal auf und du legst rasch ein Deckchen drüber, damit es die sonstige Einrichtung nicht stört. Doch eines Tages wirfst du es auf den Sperrmüll, denn schließlich willst du ganz neu anfangen, gell?

Komischerweise leiden wir alle an Gedächtnisschwund, wenn es um unser Hamsterrad geht. Einen Tag später wissen wir schon nicht mehr, wie Hamsterräder aussehen und bringen uns von unserem Streifzug über den Sperrmüll ein neues mit. Und schwupps, das Hamsterrad bekommt einen neuen Anstrich und erhält wiederum den Ehrenplatz, den schon das alte Hamsterrad innehatte. Wobei wir natürlich davon überzeugt sind, die gesamte Einrichtung ausgetauscht zu haben.

Hört sich dämlich an, ich weiß.

Aber genau das machen wir doch ständig. Da steigen wir aus unserem stressigen Beruf aus, nur um uns dann von Backlinks und Facebook-Zahlen herumkommandieren zu lassen. Oder von der 10-Punkte-Strategie aus irgendeinem Buch. Wir wollen kreativ werden, um endlich unsere Persönlichkeit leben zu können – und schauen dann darauf, was andere machen!

Halloooo?! War das nicht irgendwie anders gedacht?

Eine kurze Erinnerung

Als ich letztens mal wieder zu viel Zeit zum Nachdenken hatte (kommt zum Glück nicht allzu oft vor), hat sich meine innere Stimme bei mir gemeldet. Sie war ziemlich beleidigt, da sie wochenlang als einzigen Gesprächspartner meinen Schwellentroll hatte. Denn ich war ja beschäftigt – ich war dabei, auf meine Zahlen zu starren, ein neues, nicht funktionierendes Business-Konzept aufzustellen oder mir den neusten ‘So geht Facebook durch die Decke’-Report herunterzuladen.

Dabei hatte ich ganz vergessen, wie gut meine innere Stimme Sachen auf den Punkt bringen und mich ganz schnell von meinen nervositätsbedingten Flausen befreien kann.

Sie fragte mich süffisant: ‘Sag mal, warum wolltest du dich nochmal mit deiner Kreativität selbstständig machen?’

Ähm, da musste ich nachdenken.

Doch dann fiel es mir wieder ein. Das hatte doch irgendwas mit Spaß zu tun. Und mit Sinn. Und damit, mich niemandem unterzuordnen.

Hmmm…

Meine innere Stimme hatte mich wirklich nachdenklich gestimmt.

Vom Original zur Kopie

Natürlich gibt es viele brauchbare Tipps im World Wide Web und ich möchte dich gar nicht davon abhalten, dich von anderen inspirieren zu lassen. Das wäre ja auch ein bisschen doof von mir, denn ich selbst mag es ja auch, wenn du meinen Blog liest.

Aber es gibt da so eine Schwelle. Eine, über die dich dein Schwellentroll gerne stiefeln lässt. Sie ist leicht zu überschreiten, so leicht, dass du es meist nicht bemerkst.

Lass es mich mal so erklären:

Es ist okay, dir Inspiration zu holen, wenn du danach zu dir selbst zurückkehrst und das tust, was für DICH richtig ist.

Wenn du jedoch jene magische Schwelle überschritten hast, kehrst du nicht mehr zu dir selbst und deiner Originalität zurück. Stattdessen hibbelst du auf deiner inneren Stuhlkante herum und zerbrichst dir den Kopf darüber, ob du wohl eher das Design wie Blog X oder die Landing-Page wie Blog Y brauchen würdest, um deine Homepage zur Millionen-Milchkuh zu machen.

Um das klarzustellen: Auch wenn Blog X und Y wirklich gut funktionieren sollten, die gibt es aber schon. Brauchen wir wirklich noch einen davon? Wenn ich mich so umschaue, habe ich den Eindruck, dass die Menschen erfolgreich sind, die mal was anderes machen. Und ganz nebenbei kann ich mir nicht vorstellen, dass sich ein kreativer Mensch wohlfühlt, wenn er versucht, die Kopie seines ‘Meisters’ zu sein.

Ich jedenfalls finde ein Internet mit einer verrückten, bunt zusammengewürfelten und unperfekten kreativen Szene sehr viel anziehender als eine perfekt genormte Supermarktkettenmentalität.

Mein Vorschlag

Kauf dir einen verdammten Hammer und mache dieses Hamsterrad endgültig so kaputt, dass du es nirgendwo mehr einbauen kannst. Hör auf, anderen nachzurennen, als hätten sie irgendwo den Stein der Weisen gefunden!

Und wenn wir schon beim Thema sind: Glaubst du wirklich, J.K. Rowling hätte einen Bestseller gelandet, wenn sie vorher das Buch ‘Zauberergeschichten für Dummies’ gelesen hätte?

Verdammt, es geht um Kreativität! Es geht um Spaß! Es geht um DICH!!!

Geht raus in die Welt und tue es einfach. Tue, wozu du da bist und was dein Herz lachen lässt! Es gibt dich nur einmal und da wäre es verdammt langweilig, wenn du jemand anderen kopieren würdest!

Und hör auf, dir diesen elenden Stress zu machen, indem du dich ständig vergleichst! Achja, und hör auf, dir mit dem ‘kein Stress machen’ Stress zu machen!

Hat der Virus dich auch schon erfasst? Wie geht es dir mit dem Erfolgs- und Normierungsdruck hier im Internet? Hast du dir auch ein neues Hamsterrad erschaffen? Schreibe doch deine Meinung dazu in den Kommentaren!

Lass uns gemeinsam Schwellentrolle jagen!

Liebe Grüße,

Marie